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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

Erscheinungen sich umgestalten, die wir schon im Frieden kennen, wenn nämlich 
die Gewährung von Anleihen in Geld mit sofortiger ¿Warenlieferung für das 
Geld seitens des Gläubigers verbunden ist. 
Diese naturalwirtschaftliche Strömung regt jetzt allmählich dazu an, die 
vorhandenen Geldeinrichtungen irgendwie näher mit den sachlichen Verhält 
nissen in Beziehung zu setzen. Vor allem kommt auch die Umgestaltung des 
Notenbankwesens in Frage, zumal auf diesem Gebiete sich der überlieferungs 
mäßige Charakter unserer Geldordnung besonders deutlich ausdrückt. Lief- 
mann zieht zum Beispiel die Umwandlung der Golddeckung in eine Natural 
deckung in Erwägung, womit der Anschluß an Gedanken Laws und anderer 
gewonnen wird, welche ebenfalls die naturale Notendeckung, wenn auch zum 
Teil eine Deckung durch Grundstücke, nicht durch Waren ins Auge faßten. 
Vom hier vertretenen Standpunkte aus hat die Golddeckung als Notendeckung 
keine unmittelbare Bedeutung, da sie wohl nur als Saldoreserve aüfgefaßt 
werden kann, welche größere Schwankungen der Zahlungsbilanz ausgleichen 
hilft. Es hätte mehr Sinn gehabt, den Goldvorrat mit der Zahlungsbilanz als 
mit dem Notenumlauf in Verbindung zu setzen. Faßt man aber die Goldreserve 
als Reserve im Interesse der Zahlungsbilanz auf, dann würde sie überflüssig, 
wenn man die internationale Zahlungsbilanz durch Warentausch entsprechend 
regeln könnte. Der naturalwirtschaftliche Zug des nationalen und internationalen 
Handels, den wir oben anzudeuten versuchten, verlangt zwar eine enge Be 
ziehung zwischen den Großvorräten und der Kreditgewährung, Devisenab 
gabe usw., die so weit gehen kann, daß Geld allein ohne gleichzeitige Sicherung 
von Sachbewegungen seine Bedeutung verliert, macht aber keine Notendeckung 
erforderlich. Dennoch mag man diese Form für angemessen finden, um einen 
Übergang herzustellen und die in Geldsachen so wenig einsichtsvolle Menge 
seelisch zu beruhigen. Dabei darf man freilich nicht aus dem Auge verlieren, 
daß Waren als bloße Saldoreserve nicht unbedenklich sind, wenn nicht durch 
umfassendere Abmachungen der Absatz, insbesondere auf dem internationalen 
Markt, gesichert ist. Denn die Eigenschaft des Goldes, jederzeit absetzbare 
Ware zu sein, kann nicht ohne weiteres ersetzt werden, wenn nicht über die 
früher üblichen Handelsbeziehungen hinaus Kompensationsverträge eine größere 
Rolle spielen. 
Überhaupt muß man bei den Erwägungen praktischer Natur — wobei 
wir eine Reihe weiterer Probleme, so solche der Produktion und des Absatzes, 
gar nicht berühren — sich darüber klar sein, daß alle diese Vorschläge, welche 
natural gedeckte Noten betreffen, ihre besondere Bedeutung durch die um 
gebenden Wirtschaftseinrichtungen erhalten. Allzu leicht nimmt man an, daß 
man die Geldordnung zu beherrschen wisse, was aber nicht der 
Fall ist. Zu einer Zeit, da die absolute Kontingentierung des Notenumlaufes 
wohl schon ausreichend theoretisch verworfen war, hat Leonhardt im Hinblick 
auf die österreichisch-ungarische Bank einmal die bedeutsamen Worte ausge 
sprochen, welche die Lage des Praktikers nicht übel kennzeichnen; „Hatte 
die absolute Begrenzung der Notenemission auch zunächst den Zweck, eine 
Korrektur gegen eine zu willige und zu weitgehende Kreditgewährung der 
Bank zu sein, so gab sie doch auch der aufmerksam und sorgsam prüfenden 
Verwaltung der Bank einen Rückhalt, der ihr in manchen Fällen ihre ab 
lehnende Flaltung erleichterte. Eines solchen Rückhaltes zu entbehren, dürfte 
auch nicht in dem Wunsch einer künftigen Bankverwaltung sein.“ Solange man 
nicht den innigen Zusammenhang zwischen Geld- und Sachbewegung schafft, 
wie er oben angedeutet wurde, scheint die konservative Stellungnahme der 
Notenbank durchaus verständlich. Sie ist um so begreiflicher, als ja das 
Vertrauen mancher Reformer zur Einsicht einer Staatsverwaltung oder eines 
Parlaments doch wohl etwas zu weit geht. 
Wir sind nicht imstande, angeben zu können, welches die „richtige Geld 
menge“ für Kredit- und Zirkulationszwecke ist. Alle bisherigen Versuche, 
diese Menge anzugeben, sind gescheitert. Sie müssen auch scheitern, weil eben 
das Geld nicht beherrscht werden kann. Vielleicht ist diese Nichtbe 
herrschbarkeit der Zirkulation, deren Geschwindigkeit zum Beispiel sich jeder 
Regelung entzieht, die Ursache, weshalb eine Unsicherheit dem Gelde gegenüber
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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