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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
S
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Schwefel 
401 
Schwefel 
des Raumes unter 112 0 bleibt, als feines kristal 
linisches Pulver — Schwefelblumen (lat. Flo 
res sulfuris seu Sulfur sublimatum, frz. Fleurs 
de soufre, engl. Flowers of sulphur) — ver 
dichtet. Nehmen aber im weiteren Verlauf der 
Destillation die Kammerwände die Temperatur 
an, bei welcher der S. schmilzt, so können sich 
keine Schwefelblumen mehr bilden, sondern aller 
S. sammelt sich im geschmolzenen Zustande im 
unteren Raume an. Hier wird er von Zeit zu 
Zeit abgelassen und in Formen gegossen, größ 
tenteils zu den bekannten Stangen — Stangen 
schwefel — oder auch zu Broten. Von den 
wichtigsten Ausfuhrhäfen für den sizilianischen 
S., Girgenti, Katania und Licata, werden jähr 
lich etwa 200—300 Millionen Kilogramm in den 
Handel gebracht. Der in der Romagna vor 
kommende S. wird durch Destillation der Schwe 
felerze gewonnen, meist in Rimini raffiniert und 
von dort aus versandt. Die Schwefelbrüche an 
der Westküste des Roten Meeres gehören einer 
Gesellschaft und finden sich in den schroffen 
Gipsfelsen, die den Küstensaum bilden. In 
neuerer Zeit sind auch auf Island gewaltige 
Schwefellager gefunden worden. Kleinere Men 
gen werden ferner in Schweden, Frankreich und 
Böhmen durch Destillation von Schwefelkiesen 
aus tönernen oder eisernen Retorten gewonnen, 
doch scheidet sich bei der Verarbeitung von 
Eisenkiesen nur ein Teil des S. ab, während der 
Rest als Röstrückstand in den Retorten verbleibt 
und zur Gewinnung von Eisenvitriol benutzt 
wird. Die Schwefelerzeugung aus Kiesen lohnt 
sich übrigens nur dann, wenn das Brennmaterial 
billig zu beschaffen ist. In Swoszowice bei Kra 
kau wird der S., der sich dort in erdigem Zu 
stande in Mergel eingelagert findet, mit Schwe 
felkohlenstoff extrahiert und letzterer 
durch Abdestillieren immer wieder gewonnen, 
so daß die Herstellungskosten dieses' sehr reinen 
S. ziemlich niedrige sind. Der Swoszowicer S. 
führt den Namen Extraktiohsschwefe 1. 
Eine nicht unbedeutende Menge von S. wird 
endlich auch aus den Abfällen der Soda 
fabrik en, die neben kohlensaurem Kalk Na- 
diumsulfid und Kalziumsulfid enthalten, als sog. 
regenerierter (Retour-) S. gewonnen.—Der ge 
wöhnliche S. stellt einen gelben, spröden Kör 
per vom Atomgewicht S = 32 dar, welcher in 
Wasser unlöslich, in Alkohol und Äther etwas 
löslich ist. In reinem Zustande hat er weder 
Geruch noch Geschmack und ist ohne, Ein 
wirkung gegen Lackmus. Bei 114 0 schmilzt der 
gewöhnliche S. zu einer hellgelben, dünnen 
Flüssigkeit, bei etwa 160 0 wird er braun und 
z ähflüssig, bei 250 0 dunkelbraun und so dick 
flüssig, daß er beim Umkehren des Gefäßes 
rücht ausfließt. Bei noch stärkerem Erhitzen 
Wird er wieder dünnflüssiger, aber nicht heller, 
u nd bei 448° beginnt er zu sieden und verwan 
delt sich in einen bräunlichgelben Dampf. Der 
kommt in mehreren Modifikationen, sowohl 
lr n kristallisierten als auch im amorphen Zu 
stande, vor. Kristallisiert findet er sich als 
Rhombischer oder oktaedrischer S. sowohl 
fertig g e bildet in der Natur als auch ausgeschie 
den aus einer Schwefelkohlenstofflösung, und 
jds monokliner oder prismatischer S. in 
bfäunlichgelben Prismen, die sich beim lang 
et ercks Wareulexikon. 
samen Erkalten des geschmolzenen S. bilden. 
Sowohl der rhombische wie der monokline S 
lösen sich leicht in Schwefelkohlenstoff. Auch 
im amorphen Zustande findet sich der S. in 
mehreren Modifikationen: Der zähe oder pla 
stische S. wird als braune, elastische Masse 
erhalten, wenn man S. auf 250 0 erhitzt und die 
geschmolzene Masse in einem dünnen Strahle 
in kaltes Wasser gießt. Der pulverige, in 
Schwefelkohlenstoff unlösliche S. bildet 
den Hauptbestandteil der Schwefelblumen und 
stellt ein gelbes, lockeres Pulver dar. Der pul 
verige, in Schwefelkohlenstoff lösliche 
S. oder die Schwefelmilch entsteht bei der 
Zerlegung der Polysulfide durch Salzsäure und 
bildet ein gelblichweißes Pulver. — Wird S. an 
der Luft erhitzt, so verbrennt er mit blauer 
Flamme zu schwefliger Säure, einem eigentüm 
lich stechend riechenden Gase. Durch Einwir 
kung von Salpetersäure, Salzsäure und Königs 
wasser verwandelt er sich in Schwefelsäure. 
Konzentrierte Schwefelsäure löst den S. in der 
Wärme unter Entwicklung von schwefliger 
Säure, ebenso lösen ihn Laugen in der Wärme 
auf, wobei sich Polysulfide und unterschweflig 
saure Salze bilden. Um S. in einem Körper 
nachzuweisen, schmilzt man ihn, mit Soda ge 
mischt, auf Holzkohle, bringt die Schmelze auf 
eine blanke Silbermünze und befeuchtet mit 
Wasser, worauf bei Anwesenheit von S. ein 
brauner Fleck von Schwefelsilber entsteht (He- 
parreaktion). — Im Handel unterscheidet man 
Stangenschwefel, Schwefelblumen, gereinigten 
S., präzipitierten S. und grauen S. Die ersteren 
beiden bilden den gewöhnlichen S. und ent 
halten außer geringen Mengen anderer zufälli 
ger Verunreinigungen noch Spuren Arsen und 
Selen sowie als unvermeidliche Folge teilweiser 
Oxydation beim Raffinieren schweflige Säure 
bzw. Schwefelsäure. — Der Stangenschwe 
fel (lat. Sulfur in baculis, frz. Soufre en canons, 
engl. Canes of Sulphur) kommt in gelben, 
glänzenden, runden Stücken von 5—8 cm Durch 
messer und kristallinischem Gefüge in den Han 
del. — Die Schwefelblumen (lat. Flores sul 
furis, Sulfur sublimatum, frz. Soufre sublime, 
Fleurs de Soufre, engl. Sublimed Sulphur, Flo 
wers of Sulphur) stellen ein Gemenge aus wenig 
kristallinischem und viel amorphem S. dar und 
bilden ein säuerlich schmeckendes gelbes Pul 
ver. Sie dürfen für den innerlichen Gebrauch 
medizinisch nicht verwendet werden, sondern 
nur im gereinigten Zustande als sog. ge 
waschener oder gereinigter S. (lat. Sulfur 
depuratum, Sulfur lotum, frz. Soufre lavö, engl. 
Washed sulphur). Diese Reinigung erfolgt durch 
Behandlung mit verdünntem Ammoniak und 
nachfolgendes Waschen mit Wasser, wobei vor 
handene Schwefelsäure gebunden und Arsen 
gelöst wird. Der gereinigte S. ist ein gelbes, 
geruch- und geschmackloses Pulver von neu 
traler Reaktion. Der präzipitierte S., Schwe 
felmilch (lat. Sulfur praecipitatum, Lac sul 
furis, frz. Lait de soufre, engl. Milk of sulphur) 
ist höchst fein zerteilter, fast weißer S. Zu 
seiner Darstellung wird gereinigter S. mit frisch 
bereiteter Kuhmilch bis zur Auflösung gekocht 
und zu der gelbbraunen Flüssigkeit, die neben 
unterschwefligsaurem Kalk Fünffach-Schwefel 
26
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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