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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
T
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Tabak 
439 
Tabak 
tiges Rauchgut, die mittleren das Haupt- oder 
Bestgut, die obersten das mittlere Gut. Zum 
Trocknen wenden die Blätter auf Schnüre ge 
zogen und in Schuppen aufgehängt. Nach 6—8 
Wochen nimmt man die jetzt gelbbraunen Blätter 
ab, sortiert und bindet sie zum Verkauf an die 
Fabrikanten zu 25—30 in Bündel zusammen. Oder 
man 'glättet die etwas angefeuchteten Deck 
blätter mit der Hand und schichtet sie zu 
Stößen oder Docken auf, welche dann mit 
Steinen gepreßt werden und so lange zusammen- 
bleiben, bis sie kastanienbraun oder gelb werden. 
Mit dieser durch Bakterien oder Oxydasen ver- 
anlaßten sog. Fermentation ist eine erhebliche 
Temperaturerhöhung verbunden, die bis- zu 6o° 
steigen kann, meist aber auf 40 0 beschränkt wird. 
Zweck der Fermentation ist die Zerstörung ge 
wisser Bestandteile des frischen T., die beim 
Rauchen unangenehm riechende und schmek- 
kende Stoffe liefern und im Übermaß giftig 
wirken. Durch Anwendung besonderer, aus 
gärenden Havannasorten dargestellter Enzyme 
soll man sogar inländischen Erzeugnissen das 
Aroma der Edeltabake verleihen können. Nach 
Beendigung der Gärung werden die Blätter ge 
lüftet, Wieder getrocknet und zu Bündeln von 
20—30 Stück zusammengelegt. Feinere Blätter 
werden entrippt und die Rippen zu Schnupf 
tabak, Einlagen oder billigem Rauchtabak ver 
kauft. In der Türkei, vermischt man die gären 
den Blätter mit Steinklee, dessen Aroma sie an 
nehmen, in Serbien mit Honigwasser. ■— Der 
Ertrag ist nach Lage, Boden, Düngung und 
Jahrgang außerordentlich wechselnd. Man rech 
net i,s—3 dz Sandgut, 2—5. dz Geize, 8—25 dz 
trockene Blätter und 50—60 dz Stengel. Die 
größten Mengen T. erzeugen die Vereinigten 
Staaten von' Nordamerika, danach Asien, Süd 
amerika und Afrika, zusammen etwa 1200 Mil 
lionen Kilogramm. An der etwa 250 Millionen 
Kilogramm ausmachenden europäischen Erzeu 
gung sind in erster Linie Rußland und Öster 
reich-Ungarn, danach Deutschland, die Türkei 
und Frankreich beteiligt. In Deutschland Werden 
auf rund 15000 ha 32 Millionen Kilogramm 
trockner T., auf 1 ha also 22 dz geerntet. — Nach 
seiner chemischen Zusammensetzung und 
physiologischen Wirkung gehört der T. zu 
den alkaloidischen Genußmitteln. Die frischen 
Blätter enthalten 80—88 o/ 0 Wasser, die trocknen 
Blätter im Durchschnitt 8,140/0 Wasser und in 
der Trockensubstanz 6,65 °/o Protein, 0,41 °/o Am 
moniak, 0,86 0/0 Salpetersäure, 4,50 0/0 Ätherauszug 
(Fett), 0,280/0 Wachs, 7,700/0 Harz, 8,830/0 Äpfel 
säure, 3,68 % Zitronensäure, 2,38 °/o Oxalsäure, 
0,310/0 Essigsäure, 9,49 °/o Pektin, 1,040/0 Gerb 
säure, 6,12 0/0 sonstige stickstofffreie Extrakt 
stoffe, 11. x 6 °/o Rohfaser und 20,730/0 Mineral 
stoffe, die hauptsächlich aus Kali und Kalk be 
stehen. Die narkotische Wirkung des T. beruht 
auf seinem Gehalte an Nikotin (s. d.), der in 
den geringwertigen Sorten am höchsten, im Ha- 
v annatabak am niedrigsten ist. Der Gehalt an 
Nikotin unterliegt außerordentlichen Schwankun 
gen von o—8 0/0 und beträgt im Mittel etwa 2 0/0. 
Burch den Fermentationsprozeß wird ein erheb 
licher Teil des Alkaloides, oft bis zur Hälfte, 
zerstört. Neben dem Nikotin sind in geringen 
Mengen noch drei andere Alkaloide: Nikotein, 
Nikotellin undNikotimin, vorhanden. Außer 
dem ist an der narkotischen Wirkung auch ein 
fettartiger Stoff, das Nikotianin oder der 
Tabakkampfer, beteiligt. Beim Rauchen (Ver 
glimmen) entwickeln sich Ammoniak, Kohlen 
säure, Kohlenoxyd, Schwefelwasserstoff, Blau 
säure, Pyridin und ein ätherisches 01. Das letztere, 
von dem Thoms aus 15 kg T, 6 g isolieren konnte, 
siedet bei 295—315 0 und hat einen kamillenähn 
lichen Geruch. Das Nikotin wird zum Teil 
beim Glimmen zerstört oder in Pyridine um 
gewandelt, gelangt aber teilweise in unveränder 
tem Zustande mit dem Rauche in den Organis 
mus. Es bildet in reinem Zustande ein heftiges 
Gift und erregt Erbrechen, Durchfall, Zittern, 
Muskelläbmung und Starrkrampf mit oft töd 
lichem Ausgange. In der beim Rauchen auf 
tretenden starken Verdünnung wirkt es hingegen 
anregend und befähigt zu erhöhter körperlicher 
und geistiger Tätigkeit und zum leichteren Er 
tragen von Hunger, Durst, Arbeit, Sorge und 
Gefahr. Im Übermaß wirkt Rauchen schädlich, 
besonders beim Verbrauch der unteren Zigarren 
enden, in denen sich das Nikotin anhäuft. Die 
größte Bedeutung für die Bekömmlichkeit hat 
die Verbrennlichkeit, richtiger Verglimm 
barkei t, die durch einen hohen Gehalt an Kali 
und Nikotin sowie durch eine feine und dünne 
Struktur begünstigt wird. Weiter kommt als 
Wertmesser der Geruch (das Aroma) und der 
Geschmack in Betracht, der vom Klima abhängt. 
Die Tabake aus Gegenden nördlich der Weinregion, 
besonders von schwerem Boden, sind weniger fein, 
die Erzeugnisse aus den Tropen bevorzugt. Man 
unterscheidet daher nach ihrer Herkunft fol 
gende Sorten: 1. Europäische T. Frankreich 
und Italien verbrauchen ihre Ernten selbst. Hol 
land erzeugt den Amersforter, Neukerker 
und Gelderschen T., dessen Bestgut zu Schnupf 
tabak und dessen Erdgut zu Deckblättern ver 
arbeitet wird. Deutschland liefert Uckermär 
ker, Pfälzer und ElsässerT.für geringwertige 
Zigarren. Ungarn versendet den Debrecziner, 
Debröer, Szegediner, Fünfkirchener, Gar 
tenblätter, Charbel, Palanke, Osegger und 
Rebel als billiges Pfeifen-, Zigaretten- und Ka 
rottengut. Die besten europäischen T. sind die 
türkischen, doch gehen unter diesem Namen 
auch die kleinasiatischen und russischen Sorten. 
Sie haben ein feines gelbes Blatt, milden Ge 
schmack und starken Geruch mit süßlichem 
Nebengeschmack und wirken stark narkotisch. 
Man verwendet sie in Form goldgelber, langer 
dünner Fäden hauptsächlich für Zigaretten. 
2. Asiatische T., Manila, Java und Suma 
tra werden hauptsächlich zu Zigarren verarbeitet. 
Zeylon, Kalkutta, Japan und China sind ohne 
Bedeutung für den europäischen Handel. 3. Ame 
rikanische T„ die wichtigsten und wertvollsten 
Sorten, werden meist in Ballen aus Rindshäuten, 
sog. Seronen, und in Fässern versandt. Von den 
nordamerikanischenT. werden die im Westen 
am meisten angebauten und beliebten Ohio und 
Maryland zu fein gelben, aromatischen Rauch 
tabaken verarbeitet. Virginia liefert in feinen, 
fetten Sorten Schnupf- und Kautabak, in den 
leichteren lebhaft braunen Rauchtabak. Ken 
tucky, Karolina, Georgia, Missouri, Ten 
nessee erzeugen Umblatt, Deckblatt, Einlage
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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