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Falle die schweiz. Konsumvereine gezwungen wären, ein Konkurrenz
unternehmen zu errichten. Die Bell A.-G. war mit einer Beteiligung
des V. S. K. einverstanden. Es kam darauf im Dezember 1913 zu
einem Vertragsverhältnis mit der Bell A.-G. In dem
Vertrage verpflichtete sich die Bell A.-G. eine rationelle, im In
teresse der Konsumenten liegende Fleischversorgung der schweiz. Kon
sumvereine durchzuführen. Der Verband schweiz. Konsumvereine,
welcher sich am Aktienkapital der Bell A.-G. mit 1754 Aktien be
teiligt hat, verpflichtete sich seinerseits, von der Errichtung von
Fleischereien abzusehen. ,— Mit dem Erwerb der 1754 Aktien hatte
der Verband noch keine Stimmenmehrheit erlangt, doch war ihm
vertraglich die Ueberlassung weiterer Aktien zugesichert. Inzwischen
ist nun die Mehrheit der Aktien an den Verband schweiz. Konsum-
Vereine übergegangen und damit sein Einfluß auf die Fleischversor
gung in der Schweiz gesichert.
So gibt es denn alle möglichen Arten, wie der organisierte
Konsument seine Interessen gegenüber dem privaten Produzenten
wahren kann. Ueber den Erfolg der einen oder anderen Form läßt
sich aber heute noch nicht urteilen. Vielleicht wird die Form der
reinen konsumgenossenschaftlichen Güter Vermitt
lung die Oberhand gewinnen, vielleicht aber wird die erwerbs
mäßige Warenvermittlung unter einer mehr oder weniger
scharfen Kontrolle der Konsumenten die größte Ausbreitung
gewinnen, möglich wäre auch, daß die gemischtwirtschaftliche
Unternehmungsform stark zunehmen wird, indem Konsum
genossenschaften oder andere Konsumentenorganisationen sich in steigen
dem Maße mit Kapital an privaten Unternehmen beteiligen. Vielleicht
entstehen noch andere Formen, die uns heute noch fremd sind. Eins
dürfte jedenfalls auf alle Arten der Gütervermittlung in Zukunft
zutreffen, nämlich, daß sie mehr oder weniger stark unter dem
Einfluß der Konsumenten stehen. Eine allgemeine Annähe
rung von Produktion und Konsumtion dürfte stattfinden. Immer
deutlicher dürfte in Erscheinung treten, daß die Produktion nicht
Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck ist, daß die
Konsumtion der Endzweck alles Wirtschaftens ist. Mir
persönlich will es scheinen, als ob die Konsumgenossenschaft diejenige
Form sei, die sich am meisten dem ökonomischen Prinzip nähere. Trifft
das in Wirklichkeit zu, so wird sie immer mehr sich Bahn brechen, nichts
wird sie in ihrer Entwicklung aufhalten können. Alle Hemmungen,
von welcher Seite sie auch kommen mögen, werden dann, wenn auch
nur ganz allmählich, überwunden werden.