Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  I.  Verteilung  der  Hausinduftrie

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Da(z  Bücher  einer  Durchforfchung  der  Abfatzverhältniffe  im  Verlagsfyftem, ­
  deren  wirtschaftlicher  Wert  von  niemand  geleugnet  wird,  das  Wort
redet,  ift  fehr  verftändlich  bei  feiner  charakteriftifchen  Auffaffung  unferes
Problems.  Er  legt,  wie  früher  (S.  19)  fchon  hervorgehoben  wurde,  den  Hauptakzent ­
  auf  das  Verlagsfyftem  und  hat,  wie  er  felbft  fagt,  im  Artikel
„Gewerbe“  des  Handwörterbuchs  der  Staatswiffenfchaften  das  Wort  „Hausinduftrie“
  möglich  ft  vermieden  und  das  allein  richtige  „Verlag“  in  fein
hiftorifches  Recht  wieder  eingefetzt,  um  dadurch  in  den  Kern  der  Sache  einzuführen ­
  und  auf  das  wiffenfchaftlich  Bedeutfame  aufmerkfam  zu  machen.
Andern  bleibt  es  unbenommen,  eine  Teilfeite  des  Verlagsfyftems  herauszugreifen, ­
  nämlich  das  Arbeitsverhältnis  im  Verlagsfyftem,  das  Bücher  felbft
Hausinduftrie  nennt,  und  diefe  zur  Grundlage  ihrer  Unterfuchungen  zu  machen.
Der  heutige  Sprachgebrauch,  der  in  erfter  Linie  das  Wort  Hausinduftrie  kennt
und  unter  ihr  das  Arbeitsverhältnis  im  Verlagsfyftem  verfteht,  gibt  ihnen  ein
Recht  dazu.  Auch  die  vorliegende  Schrift  ftellt  fich  auf  diefe  Grundlage,  wie
im  Titel  uni  in  der  ganzen  Anlage  zum  Ausdruck  gebracht  wird.  Dafz  da  den
Lebensverhältniffen  der  im  Arbeitsverhältnis  der  Hausinduftrie  Stehenden
befondere  Beachtung  gefchenkt  wird  und  demgegenüber  die  Schilderung  der
Abfatzorganifation  ftark  in  den  Hintergrund  tritt,  ift  ganz  natürlich;  das  Gegenteil ­
  wäre  geradezu  unverftändlich.
Nun  legt  Bücher  auch  grofzen  Wert  auf  eine  Darftellung  der  Abfatzverhältniffe ­
  hinfichtlich  der  praktifchen  Löfung  des  Heimarbeitproblems. ­
  „Aus  dem  Zirkulationsprozefz  des  fertigen  Produktes“,  fchreibt
Bücher,  „leiten  fich  die  Eigentümlichkeiten  ab,  welche  die  Hausinduftrie
fo  vorteilhaft  vor  dem  Handwerk  auszeichnen  :  die  ftofzweife  Überfpannung
der  Produktion,  die  fchweren  Krifen,  das  Truckfyftem,  die  Abrechnungsmilzbräuche, ­
  die  niedern  Arbeitslöhne,  die  ungeregelte  Arbeitszeit,  die  Frauenund
  Kinderarbeit,  die  wucherifchen  Schuldverhältniffe,  die  ganze  foziale
Hoffnungslofigkeit  ihrer  Arbeiter.“  x )  Und  an  einer  andern  Stelle: 2 )  „Inder
Tat  liegt  die  Stelle,  von  der  aus  man  den  Übelftänden  der  Heimarbeit  allein
beikommen  kann,  beim  Verlag,  nicht  bei  der  Hausarbeit  felbft
Bei  der  Organifation  des  Abfatzes  ift  der  Hebel  einzufetzen,“  womit  vor  allem
die  Feftlegung  von  Mindeftlöhnen  gemeint  ift.
Gewifz  ift  die  Lage  der  Heimarbeiterfchaft  durch  den  Zirkulationsprozefz,
die  Abfatzorganifation,  verurfacht,  aber  nur  zum  Teil.  Für  die  Lage  der  Fabrikarbeiter ­
  liegt  diefelbe  Urfache  vor.  Und  foweit  fich  der  Heimarbeiter  un-*

*)  Art.  „Gewerbe“  im  Handwörterbuch  der  Staatswiffenfchaften  IV 3 .
2 )  Art.  „Hausinduftrie“  im  Wörterbuch  der  Volkswirtfchaft  I 3 .
Koch 2 ,  Die  deutfehe  Hausinduftrie

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