Full text : Die deutsche Hausindustrie

2.  Lohnverhältniffe

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ftättc  ins  Elternhaus  als  Heimarbeiter  gemeldet. l )  Auch  in  Heffen  ftieg  die  Zahl
der  gewerblich  tätigen  eignen  Kinder  in  den  Jahren  1904—1908  von  2356
auf  2605,  während  die  der  fremden  Kinder  gleichzeitig  von  2638  auf  1308
zurückging.  Nach  Berichten  aus  Oberfranken  waren  die  Kinder  abgerichtet,
fo  dafz  fie  vom  Gewerbeauffichtsbeamten  nicht  arbeitend  angetroffen  werden.
Mag  alfo  das  Kinderfchutzgefetz  auch  fchon  einige  Erfolge  erzielt  haben,  die
Heimarbeit  hat  offenbar  am  gering  ften  Anteil  daran.
Es  ift  gewi(z  oft  die  bittere  Not  der  Eltern,  welche  fie  ihre  Kinder  fchon  frühzeitig ­
  in  das  harte  Joch  der  Arbeit  einfpannen  hei|zt.  Aber  es  ift  doch  auch  großer
Unverftand:  während  die  Eltern  zu  Ausbeutern  an  ihren  Kindern  werden,
werden  diefe  zu  Preisdrückern  für  die  Eltern  und  die  gefamte  Arbeiterfchaft.
Zudem  wird  dem  Kinde  die  goldene  Jugendzeit  völlig  geraubt,  feine  Gefundheit
  wird  infolge  einer  oft  mafzlos  ausgedehnten  Arbeit,  einer  durchaus  ungenügenden ­
  Nachtruhe,  des  Mangels  an  Bewegung  in  freier  Luft,  des  beendigen ­
  Aufenthalts  in  ungefunden  Arbeitsräumen  zeitlebens  gefährdet,  feine
Arbeitskraft  verringert  und  in  ihrer  vollen  Entwicklung  gehemmt.  Die  geiftige
Ausbildung  mu|z  bei  der  Übermüdung  der  zarten  Körperkraft  notwendig  Zurückbleiben, ­
  die  Schulzucht  illuforifch  werden.  Und  auch  der  Sittenreinheit  des
Kindes  drohen  infolge  der  frühzeitigen  Berührung  mit  einer  häufig  verwilderten
Arbeiterfchaft  ernfte  Gefahren.  *  2 )  Die  Grundlagen  des  Familienlebens  und  einer
gedeihlichen  Erziehung  werden  erfchüttert:  an  Stelle  der  zarten,  Eltern  und
Kind  miteinander  verknüpfenden  Bande  treten  die  kalten,  egoiftifchen  Beziehungen ­
  von  Arbeitgeber  und  Arbeiter,  von  Ausbeuter  und  Ausbeutungs-Objekt.

§  2.  Lohnverhältniffe
Die  Lohnhöhe  ift  für  die  Hausinduftriellen  eine  Frage  von  vitalfter  Bedeutung. ­
  Nicht  nur,  weil  der  Lohn,  wie  überhaupt  bei  der  Arbeiterbevölkerung,
in  der  Regel  ihre  einzige  Einkommensquelle  ift.  Alles,  was  fonftdem  heutigen
Lohnarbeiter  Schutz  und  Erleichterung  verfchafft  und  ihm  unabhängig  von  der
Entlohnung  gewährt  wird,  ift  für  den  Heimarbeiter  eine  Frage  der  Lohnhöhe,
ein  Teil  der  Lohnfrage.  Schutz  von  Gefundheit  und  Leben,  hygienifcher
Werkftättenfchutz,  Befchränkung  der  Arbeitszeit  werden  dem  Fabrikarbeiter
in  jedem  Falle  zuteil  und  können  als  Entgelt  für  etwaige  geringe  Löhne  an-')
  „Soziale  Praxis“  XVIII  93,  1177—1281.
2 )  Vgl.  K.  A  g  a  h  d  a.  a.  0.  49—89  fowie  das  Rundfehreiben  des  Reichskanzlers
vom  9-  Dezen.oer  1897  betreffend  die  gewerbliche  Kinderarbeit,  mitgeteilt  bei  Agahd
196;  Wegweifer  der  Jugendrettung,  herausgegeben  vom  Verein  katholifcher  deutfcher
  Lehrerinnen,  Freiburg  1909.  Caritasverband.
            
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