Full text : Bolschewismus, Fascismus und Demokratie

das orientalische Galizien zurück und wird bei der ersten Gelegenheit Beßarabien
 wieder zu erobern versuchen. Sobald Rußland in der Lage sein wird,
einen Feldzug gegen Polen und vor allem gegen Rumänien zu unternehmen,
wird es sich durch nichts zurückhalten lassen.
Es gab vor dem Krieg ein Österreich-Ungarn, d. h. einen aus verschiedenen
Nationen zusammengesetzten Staat, regiert von einer Hauptmacht. Jetzt gibt
es sechs.oder sieben Nachfolgestaaten. Täglich entstehen im Innern dieser
neu gebildeten Staaten neue Schwierigkeiten für die liberalen Regierungen.
Die Tschechoslowakei liefert hierfür das deutlichste Beispiel. Dort gibt es
Gruppen verschiedener Nationalitäten und von ganz verschiedener Herkunft:
Tschechen, Slowaken, Deutsche, Ungarn und kleine slawische Völkerschaften.
Die Tschechen sind in der Minderzahl, aber sie streben danach, das ganze Gebiet
 zu nationalisieren, d.h. praktisch : die anderen Völker ihrer Nationalität
zu berauben. Sie benötigen also ein großes Heer gegen Deutsche und Ungarn
und müssen auch eine Politik der Unterdrückung und Zentralisation verfolgen.
 So unterdrücken sie oft genug örtliche Freiheiten und zwingen ihre
slawische Sprache Ungarn turanischer Herkunft auf, wie auch den Deutschen,
einer größeren Minderheit mit höherer Kultur. Die Tschechen sind ein sehr
intelligentes Volk, das einer großen Zukunft wert ist. Ihre Führer sind zum
größten Teil eifrige und achtenswerte Patrioten. Aber welch schwierige Aufgabe
 steht ihnen bevor! Die Engländer wissen, wie schwer es ist, ein Volk
von fremder Religion und Rasse zu entnationalisieren. Das beharrliche ununterbrochene
 Werk von Jahrhunderten hat es nicht vermocht den irischen
Widerstand zu brechen. Es kann gelingen, Völker von niedriger Kulturstufe
zu entnationalisieren, niemals Deutsche und Ungarn. Dennoch glauben auch
die tschechischen Staatsmänner, deren Ideen und Herkunft demokratisch
sind, aus nationaler Notwendigkeit gezwungen zu sein, eine Politik der Unterdrückung
 zu treiben und die innere Freiheit zu verneinen.
Am größten ist die Schwierigkeit in Polen, wo die polnischen Volkselemente
 in der Minderzahl sind oder doch nur in schwacher Mehrzahl gegen
Russen, Deutsche und Juden, die noch heute mit unberechtigtem Mißtrauen
angesehen werden. Polen steht in wirklichem Gegensatz zu Rußland und
Deutschland, und trotz der Verträge, ja vielleicht infolge derselben, wird
es zu den Waffen gezwungen und muß in vielen Fällen in seinem Innern
jede Freiheit ersticken.
Ähnliche Situationen, wenn auch in verschiedenem Ausmaße, bestehen in
Griechenland, in Rumänien und in anderen Staaten ; Rumäniens Gewaltsamkeiten
 in Beßarabien haben die ganze zivilisierte Welt erschüttert.

DA
            
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