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Der Anteil der Stadt Lodz an der polnischen Baumwoll
industrie ist seitdem weiter gewachsen. Von den rund 8 Mill.
B a u m w o I l s p i n d e l n Rußlands entfielen im Jahre 1910
etwa 1,2 Millionen auf das Petrikauer Gouvernement, wovon
0,9 Millionen auf die Stadt Lodz kommen; das ergibt etwa
75 c /o aller Baumwollspindeln des Gouvernements und 10 des
ganzen russischen Reiches. <—
Der Zahl der Spindeln entspricht auch der Verbrauch an
Rohmaterial. Im Jahre 1911 weist Lodz eine Einfuhr von
46 Millionen kg Baumwolle nach. Bis 1913 dürste die Ein
fuhr auf über 50 Millionen kg gestiegen sein. Zum Vergleich
mag angeführt werden, daß der Verbrauch Deutschlands an roher
Baumwolle und Baumwollabfällen 486 Millionen kg beträgt.
Die in Lodz zur Verarbeitung gelangende Baumwolle entstammt
zu etwa 30 ,%■ den russischen Baumwollgebieten. Der Rest kommt
aus Amerika und England; an ihrer Einfuhr sind deutsche Im
porteure stark beteiligt. Ägyptische und persische Baumwolle wird
in Lodz nur wenig verarbeitet. Die mittlere Garnnummer ist
für Lodz 17—18 englisch. Die Herstellung vorwiegend grober
Garne entspricht der Fabrikation der billigen Waren, die 75 %
der gesamten Lodzer Baumwollproduktion ausmachen. Der Preis
der Lodzer Ware beläuft sich auf 20 Kopeken und darunter pro
Arschin (3 Arschin — 2,13356 Meter, 1 Kopeke — 2,15 Pfg.).
Die Baumwollweberei in Lodz hat sich fast gänz
lich vom handwerksmäßigen emanzipiert. Sie arbeitet in der
Hauptsache mit mechanischen Webstühlen, wenn daneben auch
einige Unternehmer noch Heimarbeit ausgeben. Während früher
die Lodzer Textilindustrie eine große Garnausfuhr nach dem
zentralrussischen Jndustriebezirk hatte, hat in den letzten Jahren
Lodz in steigendem Maße seine Garne in den eigenen Webereien
selbst verbraucht und sogar von auswärts, insbesondere aus dem
Sosnowice-Czenstochauer Bezirk Garn einführen müssen. Im
Durchschnitt der Jahre 1893—1904 wurden aus dem Sosno
wice-Czenstochauer Bezirk 140 000 Pud (1 Pud — 16,381 kg)
Garn nach Lodz importiert, während von Moskau 13 000 Pud
und von Petersburg 52 000 Pud nach Lodz gingen.
Ein Charakteristikum der Lodzer Industrie ist die Viel
seitigkeit der Produktion der einzelnen Fabriken. Im Gegensatz
zu Deutschland, wo das Prinzip der Arbeitsteilung so scharf
durchgeführt ist, daß sich die Herstellung nicht allein nach Branchen,
sondern auch nach Artikeln sowohl lokal wie betrieblich geschieden