Contents: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

meinwirtschaft geworden ist. Das Problem ist also kein 
geringeres als dies: die auf Privateigentum an den Pro- 
duktionsmitteln, Erwerbsstreben und Konkurrenz beruhende 
xapitalistische Verkehrswirtschaft kontinuierlich. im Wege 
der Evolution, in eine auf Gemeineigentum beruhende, zen- 
re fietirch geleitete, sozialistische Gemeinwirtschaft umzu- 
wandeln. 
In erster Linie handelt es sich um eine Frage der 
Wirtschaftsführung. Män hat dies erkannt und 
klar ausgesprochen:. „Das Problem, das sich bei einer 
solchen Umgestaltung zeigt, ist die Erhaltung der 
Unternehmerfunktion in der Wirtschaftsführung 
bei Aufhebung ‚der Herrschaftsgrundlage 
des Privateigentums. an den Produktions- 
mitteln, auf dem sie heute noch beruht“ (a. a. 0. S. 48). 
Man darf nun aber nicht meinen, daß dieses Problem einfach 
zu lösen sei durch irgendwelche Formen eines „paritä- 
tischen“ Aufbaus der Unternehmungsleitungen, von dem 
viel gesprochen wird, ohne daß man sich je eine konkrete 
Vorstellung von ihm zu bilden vermöchte, Die entschei- 
lende Schwierigkeit liegt. tiefer: die Funktionen des kapi- 
’alistischen Unternehmers und die Aufgaben eines soziali- 
stischen Wirtschaftsleiters — also auch die Probleme der 
Wirtschaftsführung in der vollendeten . Wirtschaftsdemo- 
kratie — sind grundverschieden. Der kapitalistische 
Unternehmer hat seinen Betrieb auf Grund exakter Wirt- 
schaftsrechnung an Hand von Marktpreisen möglichst 
produktiv in den Gesamtprozeß der Wirtschaft einzuord- 
nen, die Gesamtleitung der Wirtschaft wird aber ohne 
zenirale Instanz vom Preisbildungsprozeß 
besorgt. Ganz anders in der Sozialisfischen. Wirtschaft: 
in Ihr ist ein zureichender Preisbildungprozeß ‚nicht mehr 
denkbar, da bei Gemeineigentum an den Produktionsmitteln 
der preisbildende Tauschverkehr großen Teils entfällt. 
Nun muß die gesamte Wirtschaft planmäßig, zentra- 
listisch geleitet werden — ein Problem, das sich von 
den Fragen kapitalistischer Wirtschaftsführung‘ so sehr 
unterscheidet, wie gegenwärtig Einzelwirtschaft und Volks- 
wirtschaft wesensverschiedene Gebilde sind. 
Hier liegt das Kernproblem der Sozialistischen 
Wirtschaft und der vollendeten Wirtschaitsdemo- 
kratie, 'und dieses Problem ist heute so ungelöst 
wie je, 
Das sozialistische Programm der Wirtschaftsdemokratie 
beschränkt sich in dieser entscheidenden Frage auf die 
Andeutung, daß die Grundrisse der neuen Wirtschafts- 
ordnung schon sichtbar seien „auf Grund der Entwick- 
lungstendenzen des Wirtschaftslebens und auf Grund der 
Kehntnis des Willens zur Neugestaltung, der in der Arbei- 
terschaft lebendig ist“ (a. a. O. S. 179). Daß ein noch 
50 intensives Wollen die Probleme der sozialistischen 
Wirtschaftsrechnung nicht zu lösen vermag, zeigt Sowiet- 
Rußland. Und auch das dürfte feststehen, daß die 
Struktur des „organisierten Kapitalismus“ 
nicht als eine Vorfiform SOzZzialistischer 
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