Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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schiffen!), so wurde im 18. Jahrhundert der Holländer selbst der 
Handelsschiffahrt entwöhnt; mehr und mehr sah man sich genötigt, 
die Schiffe mit Ausländern, vorzüglich Jüten und Nordfriesen, zu 
bemannen; die Söhne der alten holländischen Schiffer verwilderten 
zu sehr in den heimischen Städten und wurden für den gestählte 
Nerven erfordernden Seemannsberuf untauglich?). Am längsten 
hielt sich deraltenijiederländische Seemanns- 
geist in der Grönlandftfahrt und der Herings- 
fischerei, aus denen immer noch ein tüchtiger Stamm be- 
fahrener Leute hervorging?). Aber unleugbar wuchs doch die Scheu 
vor dem Seerisiko, nicht nur bei der seefahrenden Bevölkerung, 
sondern auch bei den Unternehmern, die ihr Geld glaubten besser 
anlegen zu können als in der Schiffahrt‘). Es ist merkwürdig, daß 
zu derselben Zeit, da die Holländer allen machtpolitischen An- 
sprüchen entsagt hatten, ihre kriegerische Seemannsrüstung vernach- 
lässigten und damit ihren durchaus friedlichen Charakter offen vor 
aller Welt bekannten, sie auch die stille Frachtfahrt, die doch gerade 
mit ihren friedfertigen Neigungen völlig harmonierte, scheuten. 
Wenn im 17. Jahrhundert die Seegefahr sehr groß war, wenn manch- 
mal Riesenverluste eintraten — so verbrannten 1666 die Engländer 
auf der Reede von Vlieland 140 holländische Kauffahrteischiffe —°), 
so wäre für damals eine solche Abneigung schon eher verständlich 
gewesen. Aber seitdem war mit dem kriegerischen Geist auch der 
geschäftliche Unternehmungssinn gebrochen. Und wenn man wirk- 
lich in der Schiffahrt sein Geld wagte, dann wählte man dafür aus- 
ländische Schiffe, bei denen die Ausrüstung billiger war; dadurch 
entging auch die Befrachtung den Niederlanden. Daß in Zeiten 
von Seekriegen unter fremder Flagge gefahren wurde, war immer- 
hin begreiflich. In den unsicheren Tagen an der Wende des 18. zum 
19. Jahrhundert siedelten sich viele holländische Reeder in Olden- 
burg, in Elsfleth oder Brake, an und fuhren unter der Flagge dieses 
Landes®). 
A l) Elias, Schetsen (Bijdragen etc., IX, 190). 
2? Büsch, Bemerkungen S. 60; Haepke, Der deutsche Kaufmann, 
S. 58 ff. 
$) \Metelerkamp, 1,66. 
4) De Koopman, V,. 50 ff. 
5) Blok, Gesch. v. h. ned. Volk, V, 216. 
6) Sello, Oldenb. Seeschiffahrt, S. 29 f.; vgl. oben S. 74. 
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