Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Brücken  und  Viadukte.

„Jnviolabilität"  war  an  passender  Stelle  der  Brücke  ein  Beil  eingehauen,  mit  welchem
Werkzeug  ein  Friedensbrecher  bestraft  wurde.  Die  Brücken  waren  auch  nicht  selten  der
Schauplatz  von  Hinrichtungen,  wie  auch  das  sogenannte  Säcken  von  den  Brücken  aus
geschah.  Hierbei  wurde  der  Verbrecher  oder  die  Berbrecherin  in  einen  Sack  gesteckt  und
in  das  Wasser  geworfen.
Als  außerordentlich  ersprießlich  für  die  Ausbildung  der  Brückenbankunst  erwies  sich
seit  dem  Beginne  des  17.  Jahrhunderts  die  Thätigkeit  der  Franzosen.  Insbesondere
war  es  der  Meister  Mansard  (der  Erfinder  der  nach  ihm  genannten  Dachkonstruktion
und  Fenster),  der  bedeutende  Brücken  schuf.  Im  Jahre  1720  wurde  das  Korps  der
Ingenieure  in  Frankreich  gegründet,  und  dieses  Ereignis  war  für  die  gesamte  Entwickelung ­
  der  Jngenieurtechnik  von  außerordentlicher  Bedeutung.  Durch  die  Thätigkeit  des
Ingenieurs  Perronet  wurden  die  Leistungen  der  Franzosen  in  dem  Ban  steinerner
Brücken  für  lange  Zeit  mustergültig.  Als  das  Meisterwerk  dieses  Ingenieurs  gilt  die
Seinebrücke  von  Neuilly,  welche  in  den  Jahren  1768—74
erbaut  wurde  und  fünf  Öffnungen  von  je  39  in  Spannweite ­
  besitzt.
Eine  nicht  wieder  erreichte  Ausbildung  erfuhr  in  der
zweiten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  auch  der  Bau  der  Holzbrücken. ­
  Die  verschiedenen  Formen  der  hölzernen  Brücken  sind
die  folgenden.  Ist  die  zu  überspannende  Öffnung  nicht  sehr
groß,  so  läßt  sich  in  vielen  Fällen  mit  einfachen  Holzbalken
auskommen,  die  in  entsprechender  Entfernung  voneinander
und  parallel  zu  einander  verlegt  und  mit  einem  Bohlenbelag

398  u.  399.  Krücke  über  den  Rhein  bei  Kchaffhmrsrn  (1755).  Nach  Bavier.

überdeckt  werden.  Genügen  einfache  Balken  nicht,  so  legt  man  wohl  zwei  oder  gar  drei
aufeinander  und  verbindet  dieselben  unter  sich  durch  eiserne  Bolzen  und  sogenannte  Tübbel,
d.  h.  stellt  verzahnte  Balken  her.  Genügt  auch  dieses  nicht,  so  verwendet  man  Fachwerkträger ­
  oder  sucht  die  Spannweite  durch  Streben  zu  verkleinern.  Die  erreichte  Entwickelung
in  dem  Bau  eiserner  Brücken  ist  die  Ursache,  daß  der  Holzbrückenbau,  wenigstens  soweit
hierbei  größere  Spannweiten  in  Betracht  kommen,  heute  nur  eine  untergeordnete  Rolle
spielt.  Besonderen  Ruf  haben  sich  die  Werke-des  Zimmermeisters  Johann  Ulrich  Grubenmann ­
  erworben.  Im  Jahre,  1757  vollendete  er  die  Rheinbrücke  bei  Schaffhausen
(Abb.  398  u.  399),  mit  zwei  Öffnungen  von  50  und  57  m  Weite.  Dieses  Werk  fiel
leider  im  Jahre  1799  den  Franzosen  zum  Opfer,  welche  die  Brücke  verbrannten.  Neben
Grubenmann  waren  eine  Reihe  weiterer  schweizerischer  Meister,  wie  Ritter  aus  Luzern,
sodann  Kink  in  Tirol,  Fuchs  und  Funk  in  Deutschland,  und  von  Ingenieuren:
Morand,  Delorme,  Gauthey  in  Frankreich  und  Wiebeking  in  Deutschland  für  die
Ausbildung  der  hölzernen  Brücken  thätig.  Die  von  Johann  Grubenmann  im  Jahre  1778
erbaute  Brücke  bei  Wettingen  über  die  Limmat  erreichte  die  ganz  außerordentlich  bedeutende ­
  Spannweite  von  119  in.
            
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