Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Stromkorrektionen.

eine  längere,  aber  noch  höhere  Welle  verwandelte,  die  besonders  den  Ufern  schädlich  war.
Zahlreiche  Schiffe  fielen  dem  Bore  zum  Opfer.  Die  in  den  Jahren  von  1846  bis  1866
ausgeführten  Regulierungsarbeiten  bestanden  in  der  Hauptsache  in  der  Ausführung  von
Dämmen  auf  der  ungefähr  45  km  langen  Strecke  von  La  Mailleraye  bis  Berville,  um
das  Bett  einzuengen,  und  in  Baggerungen  unterhalb  La  Mailleraye,  um  durch  die  baue
des  Meules  eine  Fahrrinne  durchzubrechen.  Durch  diese  Arbeiten  war  in  Kürze  erreicht
worden,  daß  die  vorhanden  gewesenen  Untiefen  sich  auf  3  bis  4  in  vertieft  hatten,  und
die  Seine  war  für  die  moderne  Schiffahrt  eröffnet.  Diese  glänzenden  Erfolge  kosteten
nur  14  Millionen  Frank,  und  dabei  hatten  sich  noch  überraschend  schnell  wertvolle
Verlandungen  gebildet,  bis  zum  Jahre  1867  bereits  8600  im,  deren  Wert  sich  auf
17  Millionen  Frank  berechnete;  die  Baukosten  waren  also  dadurch  mehr  als  gedeckt.  Die
aus  Kalkbruchsteinen  aufgeführten  Dämme  waren  aber  in  ihren  oberen  Teilen  durch  den
Angriff  des  Wassers  in  wenigen  Jahren  fast  vollständig  zerstört  und  mußten  in  den
Jahren  1878—1891  wiederhergestellt  und  durch  Betonverkleidungen  und  Schutzbauten
aus  Pfählen  und  Bohlen  befestigt  werden,  wodurch  die  Kosten  der  ersten  Anlage  beinahe
verdoppelt  wurden.  Im  ganzen  haben  die  Verbessernngsarbeiten  im  Flutgebiet  der  Seine
bis  zum  Jahre  1892  30  440  000  Frank  gekostet,  von  denen  21320  000  Frank  durch
den  Wert  der  entstandenen  Verlandungen  gedeckt  sind,  so  daß  nur  der  kleine  nicht  gedeckte
Betrag  von  9120  000  Frank  übrig  bleibt.  Hierzu  kommen  noch  19  440000  Frank,  die
seit  1875  für  die  Verbesserung  und  Vergrößerung  des  Hafens  von  Rouen  aufgewendet
worden  sind.  Auf  der  Strecke  Havre-Rouen,  auf  der  früher  Schiffe  mit  höchstens  200  k
Ladung  mit  Gefahr  verkehren  konnten  und  von  Havre  nach  Rouen  mindestens  4  Tage
brauchten,  können  jetzt  Schiffe  mit  der  zehnfachen  Ladung  und  mit  6,3  m  Tiefgang  in
8  bis  10  Stunden  ohne  Gefahr  verkehren.  Rouen  nimmt  unter  sämtlichen  französischen
Häfen  in  Bezug  auf  den  Güterverkehr  jetzt  den  fünften  Rang  ein.
Die  Weser.  Im  ersten  Drittel  unseres  Jahrhunderts  war  die  Weser  zwischen  Bremen
und  Bremerhaven  die  einzige  Verbindung.  Bei  östlichen  Winden  sank  das  Wasser  so  bedeutend, ­
  daß  nicht  selten  5  bis  6  Wochen  lang  kein  beladenes  Leichterfahrzeng  nach  Bremen
gelangen  konnte,  Dampfschiffe  blieben  oft  tagelang  auf  dem  Sande  sitzen.  Im  Winter
mußten  zwischen  Bremen  und  Bremerhaven  Privatfußboten  gesandt  werden,  wollte  man
eine  Nachricht  von  dem  einen  nach  dem  anderen  Orte  gelangen  lassen.  Auf  der  Obcrweser
war  der  Verkehr  ebenso  traurig;  bei  niedrigen  Wasserständen  hörte  die  Schiffahrt  vollständig ­
  auf.  Die  Schiffer  hatten  sich  ihrer  Zahl  wegen  auch  hier  zu  einer  Reihenfahrt
verbunden;  da  in  der  Regel  nur  jeder  im  Jahr  einmal  an  die  Reihe  kam,  so  mußte  die
Fracht  so  hoch  gestellt  werden,  daß  der  Schiffer  von  einer  Fahrt  mit  seiner  Familie  und
seinen  Schifferknechten  das  ganze  Jahr  zu  leben  vermochte.  Trotz  der  seit  Mitte  des
Jahrhunderts  vom  Staate  Bremen  auf  der  Strecke  Bremen-Vegesack  betriebenen  Regulierungsarbeiten, ­
  denen  sich  seit  1864  die  von  den  anderen  beiden  Uferstaaten  Preußen
(vormals  Hannover)  und  Oldenburg  nach  gemeinschaftlichem  Plane  vorgenommene  Korrektion ­
  der  angrenzenden  rund  15  km  langen  Strecke  bis  Lienen  anschloß,  und  trotz  der
mit  einem  durchschnittlichen  jährlichen  Kostenaufwande  von  340  000  Mark  von  diesen
drei  Staaten  betriebenen  Baggerungen  betrug  die  Fahrtiefe  der  Unterweser  zwischen
Bremen  und  Bremerhaven  Anfang  der  70er  Jahre  doch  nicht  mehr  als  2  Meter.  Da
eine  Einigung  der  zunächst  beteiligten  Uferstaaten  Preußen,  Oldenburg  und  Bremen  zu
einer  gründlichen  Korrektion  nicht  herbeigeführt  werden  konnte,  wurde  vom  Bundesrat
durch  Beschluß  vom  15.  Februar  1874  eine  Reichskommission  aus  Vertretern  der  drei
Uferstaaten  ernannt,  mit  dem  Auftrag,  den  Zustand  des  Fahrwassers  der  Weser  von
Vegesack  abwärts  eingehend  zu  untersuchen  und  zur  Abstellung  der  vorgefundenen
Mängel  einen  Korrektionsplan  aufzustellen  und  dem  Bundesrat  zur  weiteren  Beschlußnahme ­
  vorzulegen.  Oberbandirektor  L.  Franzius  in  Bremen  stellte  nach  mehrjährigen
Vorarbeiten  in  den  Jahren  1879—1881  den  Regulierungsentwurf  auf  und  hatte  dabei
die  ganze  Unterweser,  soweit  als  die  Flut  auf  ihr  wirksam  sein  konnte,  in  den  Bereich
der  Korrektion  gezogen  in  der  Weise,  daß,  um  allen  Interessen  des  Verkehrs  zwischen
See-  und  Binnenland  zu  genügen,  den  Schiffen  mit  5  m  Tiefgang  die  Fahrt  bis  Bremen
            
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