Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

452  Flußhäfen.

strömuug  wegen  der  Füllung  sich  nicht  entwickeln  kann.  Bei  den  Aalpässen  wie  bei  allen
Fischwegen  ist  nach  ihrer  Fertigstellung  zu  beobachten,  ob  die  Tiere  sie  auch  benutzen.  Geschieht ­
  dies  nicht,  so  ist  nach  der  Ursache  der  Unwirksamkeit  zu  forschen  und  diese  zu  beseitigen.
Mit  den  Fischwegen  sind  die  Einrichtungen  eines  Stauwerks  im  wesentlichen  beschrieben, ­
  es  ist  jetzt  nur  noch  nötig,  den  Ausbau  der  dazwischen  liegenden  Haltung  zu
schildern.
In  früheren  Zeiten,  wo  noch  die  Schiffe  ausschließlich  von  Menschen  oder  Pferden
gezogen  wurden,  war  es  stets  nötig,  einen  Weg  für  dieselben  am  Ufer  anzulegen.  Dieser
heißt  Leinpfad  oder  Treidelweg.  Heute  ist  er  weniger  wichtig,  da  fast  überall  der
Schiffszug  durch  Schleppschiffe  bewirkt  wird.  Sollte  der  Leinpfad  nicht  zu  entbehren
sein,  so  muß  man  ihn  nicht  zu  weit  vom  Ufer  entfernt  in  solcher  Höhe  anordnen,  daß
er  bei  allen  schiffbaren  Wasserständen  begehbar  ist.  Etwaige  Nebenflüsse  sind  mittels
Brücken  zu  überschreiten.  Der  Leinpfad  muß  ferner  gegen  überströmendes  Wasser
durch  eine  schwere  Pflasterung  geschützt  werden.  Auch  Entwässerungsgräben  dürfen
nicht  fehlen.
Da  ferner  der  Fluß,  wenn  die  Stauanlagen  niedergelegt  sind,  manchmal  längere
Zeit  frei  in  seinem  Bette  fließt,  muß  er  auf  seiner  ganzen  Länge  auch  für  diesen  Zustand
ausgebaut  werden.  Es  sind  also  bei  der  Kanalisierung  alle  Bauten  anzuwenden,  die
bei  der  Regulierung  vorkommen.  Es  sind  die  Nebenarme  abzuschneiden,  die  allzu
starken  Krümmungen  zu  durchstechen,  die  Breite  ist  einzuschränken  und  die  Ufer  sind  zu
befestigen.  Letztere  bis  auf  die  von  dem  aufgestauten  Wasser  erreichte  Höhe,  wenn  auf
dem  Flusse  schnellfahrende  Schiffe  verkehren.  Kommen  Reguliernngswerke  in  der  Stauperiode ­
  unter  Wasser,  so  ist  durch  Bojen  oder  andere  Zeichen  die  Schiffahrt  auf  sie  aufmerksam ­
  zu  machen.
Durch  den  Ausbau  des  Stromlaufes  bewirkt  man  eine  längere  Dauer  der  freien
Schiffahrt  und  eine  Besserung  der  Hochwasserverhältnisse.  Ein  kanalisierter  Fluß  fordert
daher  dieselben  Bau-  und  Unterhaltungskosten,  wie  ein  regulierter,  außerdem  aber  noch
dasjenige,  was  man  dauernd  oder  einmalig  für  die  Stauwerke  ausgeben  muß.  Man
wird  also  stets,  wie  in  der  Einleitung  schon  angedeutet  wurde,  versuchen,  mit  der  Regulierung ­
  allein  zum  Ziele  zu  kommen.
Flußhäfen.
Auf  einem  schiffbaren  Flusse  findet  der  Güterumschlag  in  ausgedehnterem  Maße
überall  da  statt,  wo  eine  bequeme  Verbindung  mit  der  Eisenbahn  und  dem  Landstraßennetz ­
  besteht.  Entweder  geschieht  die  Umladung  an  den  Ufern  selbst  oder  in  besonders
dafür  hergestellten  künstlichen  Becken.  Man  unterscheidet  Umschlagsplätze  und  Verkehrshäfen. ­

Ein  Umschlagsplatz  läßt  sich  im  allgemeinen  an  jeder  beliebigen  Stelle  des  Flusses
anlegen,  wenn  nur  die  Breite  und  Tiefe  des  Fahrwassers  genügend  groß  sind,  und  wenn
die  im  Fluß  bestehende  Wassergeschwindigkeit  ein  sicheres  und  bequemes  Anlegen  gestattet.
Vorteilhaft,  aber  nicht  unbedingt  notwendig  ist  eine  hochwasserfreie  Lage  des  Ufers.  Der
Vorzug  eines  Umschlagsplatzes  gegen  einen  Hafen  besteht  darin,  daß  die  umzuladenden
Schiffe  nicht  die  eigentliche  Wasserstraße  zu  verlassen  brauchen,  was  immer  dann  Schwierigkeiten ­
  macht,  wenn  von  durchfahrenden  Schleppzügen  nur  einzelne  Schiffe  anlegen.  Auch
zu  Thal  gehende  Fahrzeuge,  die  sich  frei  im  Flusse  treiben  lassen,  bedürfen  zu  ihrer
Einfahrt  in  ein  geschlossenes  Hafenbecken  stets  mehr  oder  weniger  starker  Schleppvorrichtungen, ­
  wenn  sie  nicht  selbst  mit  Dampfmaschinen  ausgestattet  sind.  Man  wird
daher  an  weniger  verkehrsreichen  Plätzen  und  da,  wo  der  Thalverkehr  einzelner  Lastschiffe ­
  besonders  in  Betracht  kommt,  Umschlagsplätze  vorziehen.  Da  man  diese  ferner  bei
wachsendem  Verkehr  leicht  vergrößern  kann,  so  sind  die  Kosten  für  die  erste  Anlage  verhältnismäßig ­
  gering;  wiederum  ein  Grund  mehr,  an  Orten  mit  weniger  lebhaftem  Verkehr
Umschlagsplätzen  den  Vorzug  zu  geben;  oft  aber  spielt  sich  jedoch  auch  ein  ganz  gewaltiger
Verkehr  unmittelbar  an  den  Ufern  eines  Flusses  ab.  Es  ist  dies  besonders  da  der  Fall,
            
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