Schiffahrtskanäle in Amerika. 477
Michigansee in Verbindung setzenden Einzelkanäle der Staaten Ohio, Indiana, Illinois
und Wiskonsin.
Den größeren Teil der amerikanischen Kanäle bilden sogenannte „Lateralkanäle",
d. h. Schiffahrtswege, die hier und da aus eigentlichen Kanälen mit dazwischen liegenden
Strecken kanalisierter Flußläufe bestehen. Nur der kleinere Teil besteht aus Verbindungs
kanälen. Der Bau der künstlichen Wasserstraßen ist teils durch die Einzelstaaten, teils
durch Aktiengesellschaften erfolgt. Die Staatskanäle werden entweder in Regie verwaltet
oder verpachtet, auch ist ein Teil derselben verkauft worden. Die Verhältnisse einer
Reihe amerikanischer Kanäle sind ganz besonderer Art, indem sie Eigentum großer Eisen
bahngesellschaften sind, so daß daher für ihren Betrieb und ihre Ausnutzung vielfach die
Rücksichten auf die von diesen Gesellschaften betriebenen Eisenbahnlinien maßgebend sind.
Die Eisenbahnen weisen den Kanälen nur so viel Fracht zu, als sie nicht selbst auf eigenen
Bahnen mit ihren Betriebsmitteln bewältigen können. Auf diesen Umstand ist die für
manche Kanäle bemerkbare Abnahme in der Benutzung zurückzuführen. Da die Kanäle
meist nicht voll ausgenutzt werden, so machen sich die großen Unterhaltungskosten, die
eine Folge der unsoliden Bauweise sind, um so mehr geltend.
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Die Länge des unter I. aufgeführten Kanalsystems beträgt 1500 km. Die Gesamtkosten
des Eriekanals werden zu 187647 700 Mark angegeben. Derselbe ist mit den besten Ein
richtungen zum Laden, Löschen, Durchschleusen, Wiegen der Schiffe und dergleichen versehen.
Bei Albany sind ausgedehnte Anlagen zur Holzverfrachtung hergerichtet, sogenannte Holz-
gärten, die durch Stichkanäle mit dem Hauptkaual in Verbindung stehen. Im Jahre 1876
wurden seine 72 Schleusen in Zwillingsschlensen, d. h. je zwei nebeneinander liegende Schleusen,
umgewandelt. In diesen Hauptkanal münden der Oswego-Blackfluß und Champlainkaual von
Norden und der Geneseethalkanal, der Chemnngkanal, der Crookedseekanal, der Caynga- und
Senccakanal, endlich der von Süden kommende Chenangokanal. Drei dieser Kanäle (Geuesec-
thal-, Chenango- und Blackflußkanal) sind in den Besitz von Eisenbahngesellschaften über
gegangen und als Wasserstraßen aufgegeben worden.
Das pcnnsylvanische Kanalnetz läuft von den drei Anthracitbczirkcn: dem Schuylkill-,
Lehigh- und Wyomingbecken strahlenförmig aus und verzweigt sich in die Flußgebiete des
Susquehanna, Delaware und Hudson. Die Länge dieses Netzes ist 1260 km mit 569 Schleusen.
Zn demselben gehören: der Lchighkanal 77 km, der Delaware-Divisionkanal 97 km, die
Schnylkillkanalisierung, der Unionkanal, der Susqnehannakanal, der Pennsylvaniakanal, der
Delaware- und Hudsoukanal. An die beiden erstgenannten Kanäle schließen sich der Morris-
nnd Essexkanal an. Der Morriskanal (165 km) wurde 1832 eröffnet. Derselbe ist durch eine
Reihe eingeschalteter schiefer Ebenen bemerkenswert, auf welchen die Schiffe, ähnlich wie bei
dem ostpreußischen oberländischen Kanal, auf hölzernen Schlitten bewegt werden. Die vor
handenen 23 Ebenen haben ein Gesamtgefälle von 426 m.