Seekanäle.
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Ausmündung dieses Kanals in den Kieler Hasen ein, der hier seine größte Breitenansdehnung
hat und darum ein- und auslaufcnden Schiffen selbst beim stärksten Verkehr ein genügend
geräumiges Fahrwasser bietet.
Die genaue Länge des an beiden Mündungen mit Schleusen versehenen Kanals
beträgt 98,es km; hiervon liegen 62,15 km, 63 °/ 0 der Gesamtlänge, in der Geraden,
36,bv km, 37 °/ 0 , in Krümmungen von 1000 bis 6000 m Halbmesser. Obgleich sich die
Kaiserliche Marine mit einem kleinsten Halbmesser von 750 m begnügt hätte, wurde,
um die Durchfahrt möglichst bequem zu gestalten, dieses Maß ans 1000 m erhöht und
in Krümmungen von 1000 bis 2500 m Halbmesser die Kanalbreite um 16 m ver
größert. Der Kanal ist ein weiter Durchstich zwischen Ostsee und Elbe, und der Wasser
stand im Kanal ist gleich dem niittleren Wasserspiegel in der Kieler Bucht. An der Elb
mündung des Kanals treten in der Elbe infolge von Ebbe und Flut tägliche Schwankungen
im Wasserstande ein, deren Höhenunterschied für gewöhnlich ungefähr 3 m beträgt; der
Höhenunterschied zwischen den bisher beobachteten höchsten und tiefsten Wasserständen
beträgt aber 8,40 in. Wäre vor der Mündung des Kanals kein Abschluß vorhanden, so
Ivürden diese äußersten Wasserstände auch im Kanal eintreten, und um eine Überschwemmung
der an der Elbe gelegenen Niederung zu verhüten, müßte der Kanal an beiden üferu mit
über 6 m hohen Dämmen eingefaßt werden, deren Herstellung große Summen verschlungen
hätte und wohl auch bei der geringen Tragfähigkeit des moorigen Untergrundes in der
Niederung kaum möglich gewesen wäre. Aber auch gegen das zu tiefe Absallen des
Wasserstandes im Kanal zur Zeit der Ebbe war die Anordnung eines Abschlusses nötig,
weil sonst die Sohle des Kanals noch viel tiefer hätte gelegt werden müssen, damit auch
bei den niedrigen Wassersländen noch die nötige Fahrwassertiefe im Kanal vorhanden ge
wesen wäre. Ein großer Wechsel der Wasserstände wäre aber auch infolge der veranlaßten
Strömungen für die Schiffahrt, sowie auch für den Hafenbetrieb und für den Verkehr
auf dem Kanal höchst lästig gewesen. Im Kieler Hafen findet keine Ebbe und Flut
statt, und die Schwankungen des Wasserstandes sind deshalb dort für gewöhnlich nur
gering; durch Ostwind kann aber das Wasser dort auch 3.in über seinen mittleren Stand
angestaut werden und bei Westwind 2 in unter diesen fallen, deshalb ist auch in Holtenau
eine Schleuse gebaut worden, die aber fast immer für die Schiffahrt offen steht und erst
geschlossen wird, wenn der Wasserstand im Kieler Hafen sich 0,5 in über Mittelwasser
erhebt oder darunter sinkt, was nach den bisherigen Erfahrungen an 25 Tagen im Jahr
eintritt. Die Thore der Elbmündung werden geöffnet, wenn das Elbwasser auf die Höhe
des Wasserstandes im Kanal gefallen ist, und bleiben offen, bis der Elbwasserstand 1% m
unter den mittleren Kanalwasserstand gefallen ist, damit durch den ausgehenden Strom
der Vorhafen gespült wird. Bei weiterem Abfallen der Elbe werden die Thore geschlossen,
um ein zu tiefes Absinken im Kanal zu verhüten. Von Holtenau bis zu den Obereiderseen
ist die Sohle des Kanals wagerecht angelegt worden, und zwar 9 in unter dem mittleren
Ostseewasserspiegel, und fällt von da bis zur Elbmündung auf 40 km Länge mit einem
von 1:200000 bis 1:8000 allmählich zunehmendem Gefälle, so daß die von der
Kaiserlichen Marine verlangte Wassertiefe von 8,5 m zu jeder Zeit, an jeder Stelle
vorhanden ist. Die Abmessungen des Kanalquerschnitts sind in Abb. 495 angegeben. An
die 22 m breite Sohle schließen sich bis 3 m Höhe 3fache und von da bis zu dem in
7 m Höhe über Sohle liegenden Unterwasserbankett 2 fache Böschungen, von da bis zu
dem Uberwasserbankett 1 Ursache Böschungen. Die Breite des Unterwasserbanketts wechselt
je nach der Bodenbeschaffenheit von 2‘/ ä bis 9 '/* m und dementsprechend auch die
Wasserspiegelbreite von 67 bis 91 in.
Bei mittlerem Wasserstand beträgt die Querschnittsfläche 413 gm und bei 0,5 m
unter Mittelwasser noch 380 gm, während der Amsterdamer Seekanal nur 366,5 gm, der
Manchester Seekanal nur 352 gm, der Suezkanal nach seiner Erweiterung 511 gm
Wasserquerschnitt besitzt. Der Wasserquerschnitt des Kaiser Wilhelm-Kanals beträgt das
6fache des 60 bis 62 gm messenden eingetauchten Querschnittes der größten Handelsfahr
zeuge und reicht für das Begegnen zweier solcher Fahrzeuge aus. Für das Begegnen mit
großen Kriegsschiffen sind neben den von der Natur geschaffenen Ausweichstellen im Mcckelsee
und in den Obereiderseen noch 5 weitere Ausweichstellen, im Mittel in Entfernungen von