Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Das  Heben  und  Bergen  verunglückter  Schiffe.

Schwieriger  wird  bereits  die  Aufgabe,  wenn  das  Schiff  so  tief  liegt,  daß  es  sich  beständig ­
  vollständig  unter  Wasser  befindet.  Die  nächste  Aufgabe  ist  alsdann  das  Abtakeln
der  Maste.  Durch  Taucher  sucht  man  so  viel  von  der  Ladung  zu  beseitigen,  d.  h.  zu
bergen,  als  nur  immer  möglich  ist.  Ist  die  letztere  Arbeit  beendet,  so  beginnt  man  mit
dem  Dichten  des  Lecks.  Um  das  Schiff  leerpumpen  zu  können,  ist  die  Herstellung  von
Schächten  erforderlich,  die  es  ermöglichen,  aus  den  Luken  Wasser  zu  pumpen,  ohne  daß
solches  wieder  an  dieser  Stelle  in  den  Schiffsraum  hineinfließen  kann.  Die  Schächte
müssen  daher  von  den  Luken  bis  über  Wasser  reichen.  Die  mächtigen  Pumpen,  die  zu
derartigen  Arbeiten  erforderlich  sind,  befinden  sich  gewöhnlich  auf  oder  in  den  Hebefahrzeugen ­
  die  speziell  für  die  Benutzung  bei  den  Hebungsarbeiten  gesunkener  Schiffe  bestimmt ­
  sind  und  zu  Seiten  derselben  verankert  werden  (s.  Abb.  581,  welche  die  Hebung
und  Bergung  S.  M.  Torpedobootes  8.  85  darstellt).  Die  Pumparbeit  muß  im  ersten
Stadium  sehr  vorsichtig  geschehen,  die  Schiffe  haben  nämlich  im  hohen  Grade  das  Bestreben, ­
  in  dem  Augenblick,  in  welchem  sie  hochkommen,  d.  h.  sich  von  dem  Boden  abheben,
umzufallen.  Um  diesem  Ereignis,  wodurch  nicht  nur  die  ganze  bisherige  Mühe  vergebens ­
  wäre  und  die  weiteren  Hebungsarbeiten  sehr  erschwert  würden,  nach  Möglichkeit
vorzubeugen,  wird  das  Schiff  durch  sogenannte  Toptakel  mit  den  auf  beiden  Seiten  des
verunglückten  Schiffes  liegenden  Hebefahrzeugen  verbunden.  Die  Toptakel  sind  Flaschenzüge, ­
  die  dem  Steigen  des  Schiffes  entsprechend  in  Spannung  gehalten  werden  müssen.
Das  Lösen  des  Schiffes  von  dem  Boden,  an  dem  es  infolge  des  sogenannten  Sogs  außerordentlich ­
  fest  haftet,  erfolgt  sehr  plötzlich.  Um  die  Wirkung  des  Bodensogs  zu  mäßigen,
benutzt  man  Schläuche,  die  in  den  Grund  eingeführt  werden  und  durch  welche  mittels
einer  Luftpumpe  Luft  in  den  Boden  eingepreßt  und  dieser  gelockert  wird.
Die  erwähnten  Hebefahrzeuge  bestehen  jetzt  meistens  aus  Eisen.  Die  Schiffe  haben
einen  flachen  Boden  und  sind  mit  außerordentlich  starken  Pumpen  und  Dampfwinden
ausgestattet.  Das  Innere  ist  in  eine  größere  Anzahl  Kammern  eingeteilt,  die  sämtlich
wasserdicht  sind.  Ihr  Hauptzweck  besteht  darin,  mit  Wasser  gefüllt  zu  werden,  falls  das
Fahrzeug  gesenkt  werden  soll,  und  wieder  leer  gepumpt  zu  werden,  falls  dieses  gehoben
werden  soll.  In  der  Mittellinie  besitzen  derartige  Hebefahrzeuge  in  der  Regel  mehrere
große  viereckige  Schachte,  die  sich  durch  die  ganze  Höhe  des  Schiffes  erstrecken.  Diese
Schachte,  welche  als  Kokern  bezeichnet  werden,  dienen  dazu,  Stahldrahttaue  hinablassen
zu  können,  die  um  das  gesunkene  Fahrzeug  geschlungen  werden.  Man  greift  zu  diesem
Mittel,  wenn  es  nicht  gelingt  oder  nicht  möglich  ist,  die  Öffnungen  eines  Schiffes  zu
dichten  und  dieses  somit  in  dem  beschädigten  Zustande  gehoben  werden  muß.  Bei  einer
solchen  Hebung  werden  zwei  der  Hebefahrzeuge  ans  beiden  Seiten  des  Schiffes  verlegt
und  die  Stahldrahttaue  unter  dessen  Kiel  gezogen  und  in  den  Kokern  hochgenommen.  Um
die  Taue  unter  dem  Schiff  durchziehen  zu  können,  wird  es  häufig  erforderlich,  mit  der
Dampfspritze  Löcher  in  den  Sand  unter  dem  Schiff  herzustellen,  durch  welche  die  Taue
durchgezogen  werden.  Derartige  Arbeiten  erfordern  in  der  Regel  viel  Geduld  und  Geschicklichkeit. ­
  Die  Hebung  eines  Schiffes  vollzieht  sich,  je  nachdem  in  dem  betreffenden
Wasser  Flut  und  Ebbe  herrschen,  oder  solche  nicht  eintreten,  in  etwas  verschiedener  Weise.
Ist  letzteres  der  Fall,  so  ist  es  erforderlich,  zunächst  die  Pontons  durch  Füllung  zu  senken,
das  Schiff  wird  nun  mittels  der  Stahldrahttaue  an  denselben  angeschlagen,  wobei  darauf
zu  achten  ist,  daß  die  Taue  ganz  stramm  gespannt  werden.  Nunmehr  wird  das  Wasser
aus  den  Pontons  ausgepumpt  und  es  hebt  sich  mit  den  steigenden  Fahrzeugen  auch  das
Schiff,  vorausgesetzt,  daß  die  Hebekraft,  d.  h.  der  Auftrieb  der  Hebeschiffe  groß  genug  ist.
Ist  es  gelungen,  das  gesunkene  Schiff  etwas  zu  heben,  so  fahren  die  Pontons  mit
dem  dazwischen  hängenden  Schiff  nach  einer  weniger  tiefen  Stelle  und  setzen  es  hier
ab.  Nun  beginnt  das  Spiel  von  neuem,  d.  h.  die  Pontons  werden  wieder  mit  Wasser
gefüllt,  die  Ketten  werden  wieder  stramm  gezogen  und  alsdann  die  Pontons  abermals
leergepumpt.  Ans  diese  Weise  verfährt  man  so  oft,  bis  das  Schiff  wieder  an  der  Oberfläche ­
  erscheint.
Die  Arbeiten  zur  Hebung  oder  zur  Forträumung  gesunkener  Schiffe  sind  vielfach
hinsichtlich  ihres  Erfolges  unberechenbar,  und  das  Bergungsgeschäft  ist  daher  ein  sehr
            
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