Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Weltwirtschaft.

betrag  nach)  zum  Handel  an  den  deutschen  Börsen  neu  zugelassen  wurden.  Eine  noch
größere  Rolle  spielt  dieser  Einnahmeposten  in  England,  das  geradezu  zur  Zentralbankstelle
der  Welt  geworden  ist  und  dessen  Bedeutung  für  den  Handel  in  Geld  und  Wertpapieren
heute  seine  Bedeutung  auf  industriellem  Gebiete  schon  in  den  Hintergrund  zu  drängen
beginnt.  Weitaus  übertroffen  werden  aber  alle  diese  Einnahmeposten  durch  die  Einkünfte, ­
  welche  aus  Kapitalsanlagen  im  Auslande  gezogen  werden.  Diese
Kapitalsanlagen  erfolgen  zum  großen  Teile  in  der  Form  direkter  Verschuldung
des  kapitalsärmeren  Landes  an  das  kapitalsreichere.  Die  moderne  Staatswirtschaft ­
  erfordert  häufig  die  Verwendung  bedeutender,  aus  den  laufenden  Staatseinnahmen ­
  nicht  zu  deckender  Mittel  zur  Erreichung  produktiver  Zwecke,  wie  z.  B.  zum  Bau
von  Eisenbahnen,  Kanälen,  zur  Herstellung  von  Hafenanlagen,  zu  Flußregulierungen  u.  s.  w.
Hierher  gehören  in  gewissem  Sinne  auch  Auslagen  für  Rüstungszwecke,  die,  insoweit  sie
die  Sicherung  des  Machtbereiches  und  der  wirtschaftlichen  Stellung  eines  Landes  zum
Zwecke  haben,  unter  die  produktiven  Auslagen  gerechnet  werden  können  und  gewissermaßen ­
  eine  Versicherungsprämie  für  die  ungestörte  Fortdauer  gesicherter  Verhältnisse
darstellen.  Endlich  können  Unglücksfälle,  wie  z.  B.  ein  verlorener  Krieg  oder  ausgedehnte
Verwüstungen  des  Landes  durch  Elementarereignisse,  den  Staat  zu  plötzlichen  größeren
Kapitalsaufwendungen  nötigen.  Die  Form,  in  der  derartige  Kapitalien  aufgebracht
werden,  ist  die  der  Staatsschuld.  Der  Staat  sichert  die  Zahlung  einer  Rente,  unter
Umständen  auch  die  Tilgung  der  Schuld  aus  den  Steuereingängen  künftiger  Jahre  zu
und  empfängt  im  Kaufpreise  der  von  ihm  ausgegebenen  Schuldverschreibung,  des  Staatspapieres, ­
  den  geforderten  Kapitalsbetrag.  Zn  kapitalsreichen  Staaten  sind  die  Käufer
der  Schuldverschreibungen  die  eigenen  Staatsangehörigen;  die  Aufbringung  des  Kapitals
und  die  Zahlung  der  Rente  vollzieht  sich  im  Rahmen  der  eigenen  Volkswirtschaft.  Es
werden  einfach  die  Ersparnisse  des  Volkes  statt  in  neuen  Unternehmungen  oder  in  Privatschuldforderungen ­
  zum  Teile  auch  in  Staatspapieren  angelegt.  Anders  in  kapitalsarmen
Staaten:  diese  müssen  sich  zur  Aufbringung  solcher  Schuldkapitalien  an  das  Ausland
wenden,  und  mit  der  Rente,  die  ins  Ausland  geht,  wird  die  eigene  Volkswirtschaft  der
fremden  gewissermaßen  zinsbar  und  die  fälligen  Schuldzinsen  müssen  durch  Ausfuhr  von
Landeserzeugnissen,  durch  Leistung  von  Verkehrsdiensten  u.  s.  w.  gedeckt  werden,  wenn
nicht  eine  steigende  Verarmung  durch  Abfluß  des  Bargeldes  und  schließlich  eine  fortschreitende ­
  Verschuldung  des  Landes,  die  unter  Umständen  zum  finanziellen  Zusammenbruch ­
  und  zur  Einstellung  der  Zahlungen  führt,  eintreten  soll.  Beispiele  für  eine  derart
ungünstige  Entwickelung  bieten  Griechenland  und  Portugal,  die  beide  bei  gleichzeitig
hoher  Verschuldung  ans  Ausland  einen  erheblichen  Überschuß  der  Einfuhr  gegenüber  der
Ausfuhr  aufweisen  und  schließlich  außer  stände  waren,  die  eingegangenen  Schuldverpflichtungen ­
  zu  erfüllen.
Am  bedenklichsten  wird  die  Verschuldung  eines  Staates  an  das  Ausland  dann,
wenn  sie  nicht  infolge  produktiver  Kapitalsanlage  oder  vorübergehender  Unglücksfälle,
sondern  infolge  eines  ständigen  Zurückbleibens  der  Staatseinnahmen  hinter  den  Staatsausgaben ­
  eintritt.  Die  beiden  obengenannten  Länder  bieten  auch  hierfür  den  treffendsten
Beleg.
Eine  andere  Form  der  Verschuldung  an  das  Ausland  ist  der  Bau  von  Eisenbahnen ­
  oder  die  Errichtung  industrieller  Anlagen  durch  ausländisches
Kapital.  Diese  Form  der  auswärtigen  Kapitalsanlage  tritt  namentlich  dann  ein,  wenn
ein  Staat,  der  Jndustrieprodukte  regelmäßig  ans  dem  Auslande  bezieht,  durch  hohe  Zölle
sich  abzuschließen  beginnt.  Das  Kapital  der  Industriestaaten,  welche  seine  Einfuhr  bisher
bestritten,  greift  dann  regelmäßig  zu  dem  Auswege,  in  dem  fremden  Lande  industrielle
Anlagen  zu  errichten  und  sich  auf  diese  Weise  wenigstens  den  Fabrikationsgewinn  zu
sichern;  so  sind  beispielsweise  in  den  russischen  Bergwerken  und  Eisenhütten  280  Will.
Frank  belgisches  und  rund  100  Millionen  Frank  französisches  Kapital  angelegt.  Für
andere  Jndustrieunternehmungen  und  Straßenbahnen  wird  die  Summe  des  daselbst
angelegten  belgischen  Kapitals  aus  160  Millionen  Frank  geschätzt.  Die  Aktien  der  großen
            
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