Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

staat  fühlt  dis  Wirkung  der  Diskonterhöhung  nur  in  der  eigenen  Wirtschaft. ­
  Oie  rasche  Erhöhung  der  englischen  Bankrate  hat  noch  l907  in
kurzer  Zeit  aus  l7  Ländern  Gold  nach  England  gezogen.
So  ist  die  Wirkung  der  Oiskonterhöhung  der  Notenbank  nach  der
weltwirtschaftlichen  Entwicklung  der  einzelnen  Reiche  verschieden,  aber
auch  in  den  vorgeschrittensten  an  bestimmte  Voraussetzungen  gebunden.
Oie  Zentralisierung  der  Notenausgabe  und  die  Diskontpolitik
stellen  einen  großartigen  versuch  dar,  von  einem  Punkt  das  Geldwesen ­
  und  die  Bedingungen  des  Nreditverkehrs  zu  regeln.  Es  ist  die
einzige  wirtschaftliche  Organisierung,  die  der  Liberalismus  unternommen ­
  hat.  Nber  schon  Ricardo  hatte  auf  die  Schwierigkeiten  hingewiesen,
die  die  starke  Entwicklung  des  Scheckverkehrs  einer  wirksamen  Regelung
der  Währung  entgegenstellt,  und  in  den  letzten  Jahrzehnten  haben  sich
infolge  der  Nusbildung  großer  Kreditbanken  die  Hemmnisse  vervielfacht.
Würden  in  einem  Land,  das  seine  Notenbank  auf  Grund  der  peelschen
  Bankakte  organisiert  hat,  alle  Zahlungen  nur  mit  Metall  und
Noten  geleistet  werden  und  würde  infolge  Metallabflusses  eine  Reduktion ­
  der  Noten  erforderlich  sein,  so  würde  nur  ein  Notenbetrag  eingeschränkt ­
  werden  müssen,  dessen  höhe  dem  Nietallabfluß  entspricht.
Wird  im  Land  nur  mit  Metall  und  Noten  gezahlt,  hat  aber  die
Notenbank  das  Recht,  den  dreifachen  Betrag  an  Metall  in  Noten  auszugeben, ­
  so  muß  bei  Goldabfluß,  wenn  Gefahr  für  die  Deckung  besteht,
der  dreifache  Betrag  an  Noten  zurückgezogen  werden,-  wenn  zum  Beispiel ­
  bei  einem  Metallbestand  von  1000  Millionen  2700  Millionen
Noten  ausgegeben  wurden  und  der  Notenbank  100  Millionen  Gold
entzogen  werden,  so  wird  sie,  um  ihr  Deckungsverhältnis  zu  erhalten,
bestrebt  sein  müssen  300  Millionen  Noten  aus  dem  Verkehr  zu.  ziehen.
Wenn  aber  die  Zahlung  in  Noten  zum  Beispiel  nur  5  %  aller  Zahlungen ­
  beträgt  und  alle  andern  im  Ueberweisungsweg  erledigt  werden,
dann  müßten  scheinbar,  um  300  Millionen  Noten  aus  dem  Verkehr  zu
bringen,  die  Gesamtkredite  um  den  zwanpgfachen  Betrag  eingeschränkt
werden.  Zn  Wirklichkeit  wird  diese  ungeheuerliche  Summe  nicht  erreicht, ­
  weil  es  der  Notenbank  teilweise  möglich  ist  gerade  jene  Kredite
einzuschränken,  die  zu  Notenzahlungen  führen  —  aber  immerhin  ist
die  gewaltsame  Verringerung  des  Notenumlaufs  eine  für  die  Volkswirtschaft ­
  so  gefährliche  Maßnahme,  daß  sie  nur  in  Ausnahmsfällen
ergriffen  wird.  Das  Gefühl  nicht  ganz  Herr  der  Wirkungen  ihrer
Maßnahmen  zu  sein  hat  sich  bei  den  Notenbanken  verstärkt  und  dazu
beigetragen,  die  diskontpolitischen  Grundsätze  zu  ändern,  von  der
französischen  Enguete  war  der  Anstoß  ausgegangen  nach  Mitteln  zu
            
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