Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

370 Zehntes Buch. Zweites Kapitel. 
christliche Vermittlung überhaupt, und insbesondere der Einfluß 
und das Beispiel der kultivierenden Orden den Deutschen als 
nationaler Masse Eingang in die von Slawenfürsten beherrschten 
Slawenländer geschaffen. 
Vorbereitend wirkten hier seit lange die zahlreichen Ehen 
slawischer Fürsten mit Töchtern des hohen deutschen Adels. 
In Böhmen waren deutsche Herzoginnen fast die Regel; als 
Otokar J. die Markgrafentochter Adelheid von Meißen heim⸗ 
führte, bestieg die elfte deutsche Fürstentochter im Laufe von 
zwei Jahrhunderten den böhmischen Thron!. In Schlesien 
waren deutsche Herzoginnen nicht minder häufig; hervor unter 
ihnen tritt besonders die heilige Hedwig. Sie alle fast waren 
nun zugleich dem christlichen Glauben innig ergeben; stille 
Missionarinnen des sanften Joches Christi, lebten sie frommem 
Werk und duldender Liebe neben nicht selten rohen Gemahlen. 
Was natürlicher, als daß sie, durch Lebensgang und Schicksal 
asketischen Idealen zugänglich, vor allem klösterlichen Stiftungen 
Vorschub leisteten. Hier verknüpften sich die germanisatorischen 
Siedlungsversuche der Mönche mit dem christlich-deutschen Ein— 
fluß fürstlicher Frauen. 
Der erste Orden, der im Slawenlande weithin Fuß faßte, 
freilich zunächst nur zu Missionszwecken, war jener der Prä⸗ 
monstratenser. Sein Stifter, der heilige Norbert, war in den 
Jahren 1126 bis 1134 Erzbischof von Magdeburg gewesen; eben 
der Mission halber hatte er seine Ordensbrüder zur Elbe gezogen. 
So entstanden die Stifter Leizkau (nicht weit von Magdeburg) 
1139 und Jerichow 1144, die Domstifter Havelberg 1144, 
Brandenburg 1149, Ratzeburg 1158; und jenseits der Grenze 
des deutschen Einflusses, in Pommern, wurden 1150 Grobe auf 
der Insel Usedom, 1170 Broda an der Tollense, gegenüber 
Neubrandenburg, begründet. 
Eine weitere für die Germanisation bedeutsame Ausdeh— 
Beheim⸗Schwarzbach, Besiedlung von Ostdeutschland S. 60.
	        
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