Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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München  Dachauer  Aktiengesellschaft
für  Maschinenpapierfabrikation  in  München.
Die  München  Dachauer  Aktiengesellschaft  für  Maschinenpapierfabrikation  in  München,
welche  73  Beamte  und  872  Arbeiter  beschäftigt,  bekundet  ihre  Fürsorge  für  Beamte,  Arbeiter  und
deren  Familien  durch  eine  Reihe  von  Wohlfahrtseinrichtungen,  die  hier  mit  verzeichnet  werden:
ARBEITERKRANKENKASSE.  Die  Arbeiterkrankenkasse  besitzt  gegenüber  den
gesetzlichen  Vorschriften  folgende  Mehrleistungen:  a)  Zahlung  des  Krankengeldes  für
alle  7  Tage  der  Woche  bei  Entrichtung  von  nur  6tägigen  Beiträgen;  b)  freie  Krankenund
  Krankenhauspflege  für  Familienangehörige;  c)  Zahlung  der  Hebammengebühren  für
Wöchnerinnen,  für  die  Mitglieder  selbst  und  auch  für  Ehefrauen  der  Kassenmitglieder
usw.;  d)  das  jährlich  erwachsende  Defizit  von  ca.  12  000—13  000  M.  wird  von  der  Firma
gedeckt,  so  daß  eine  Erhöhung  der  niederen  2proz.  Arbeiterbeiträge  nicht  nötig  ist.
ARBEITERPENSIONSKASSE.  Bei  der  seit  1871  bestehenden,  1885  reorganisierten
Arbeiterpensionskasse  werden  a)  die  1  proz.  Arbeiterbeiträge  von  der  Firma  durch  1  proz.
Lohnerhöhung  rückvergütet,  und  b)  deckt  die  Firma  außer  2  %  eigenem  Beitrag  das  jährliche ­
  Defizit  von  14  000—16  000  M.
BEAMTENPENSIONSVEREIN.  Der  am  12.  November  1887  gegründete  Beamten-Pensionsverein
  erhält  von  der  Firma  außer  der  ständigen  Beitragsleistung,  die  ebensoviel
beträgt  wie  die  von  den  Mitgliedern  selbst  eingezahlten  Beiträge,  jährlich  Extrazuschüsse
von  5000—10  000  M.  Dieser  Verein  wurde  am  31.  Dezember  1912  aufgelöst,  wobei  die
Firma  für  die  Beamten  unter  5000  M.  Einkommen,  deren  Eintritt  bei  der  reichsgesetzlichen
Angestelltenversicherung  am  1.  Januar  1913  erfolgen  mußte,  die  von  ihnen  seither  erworbenen
Ansprüche  und  Rechte  übernahm,  wohingegen  für  die  nicht  in  die  Reichsversicherung  aufgenommenen, ­
  höher  besoldeten  oder  über  60  J  ahre  alten  Beamten  der  Pensionsfonds  weiter  wirkt.
WOHNUNGSFÜRSORGE.  In  einer  großen  Anzahl  von  Häusern  besitzt  die  Firma
166  Wohnungen  für  Arbeiterfamilien  und  24  für  Beamtenfamilien,  nebst  abgeteilten  Gärten
zu  ihrer  Benützung,  sowie  auch  Wohnung  für  36  ledige  Arbeiter.
WOHLTÄTIGKEITSFONDS  mit  einem  Kapital  von  60  000  M.,  aus  deren  Zinsen
(2400  M.)  eine  Anzahl  bedürftiger  Arbeiter  oder  deren  Witwen  jährlich  unterstützt  werden.
WEINMANNSTIFTUNG  mit  einem  Vermögen  von  25  000  M.,  aus  deren  Zinsen  (1000  M.)
Kinder  der  Arbeiter  zwecks  Berufsausbildung  unterstützt  werden.
KLEINKINDERBEWAHRANSTALT.  Zuschuß  von  jährlich  ca.  3000  M.  an  die  Kleinkinderbewahranstalt ­
  in  Dachau  zugunsten  der  Kinder  der  Arbeiter.
BRAUSEBÄDER  in  Dachau  zur  allgemeinen  unentgeltlichen  Benutzung  und  in  den
Wohnhäusern  reichliche  andere  Badeeinrichtungen.
JUBILÄUMSGESCHENKE.  Angemessene  Jubiläumsgeschenke  für  25jährige  Dienstzeit ­
  bei  der  Firma  mit  Verleihung  eigener  Diplome.  —  Ferner  Verleihung  von  den  durch
die  Kgl.  Regierung  genehmigten  Verdienstmedaillen  (in  Silber  oder  Gold)  an  Arbeiter
und  Beamte  mit  langer  Dienstzeit  bzw.  Bestreitung  der  Kosten  hierfür  an  den  Bayerischen
Industriellen-Verein.
WEIHNACHTSGESCHENKE  an  das  Arbeiterpersonal  ca.  8000  M.  pro  Jahr.
GRATIFIKATIONEN  an  die  Beamten  je  nach  den  Erträgnissen  der  Aktiengesellschaft.
Humanitäre  Wohlfahrtseinrichtungen  werden  im  Interesse  der  Angestellten  und  Arbeiter
von  unserer  Firma  reichlich  unterstützt.
ARBEITERAUSSCHUSS.  Im  Sinne  des  §  134h  der  Gewerbeordnung  ist  für  die  Betriebe
ein  ständiger  Arbeiterausschuß,  bestehend  aus  den  von  den  Arbeitern  erwählten  Vorstandsmitgliedern ­
  unserer  Fabrik-Krankenkasse  und  der  Arbeiterpensionskasse,  aufgestellt,  dessen
Heranziehung  zur  Äußerung  und  Beratung  über  zuständige  Angelegenheiten  erfolgt.
Außer  der  gesetzlich  bestehenden  Vertretung  der  Arbeiter  bei  der  Krankenkasse  sind
die  Arbeiter  als  Vertreter  und  Vorstandsmitglieder  bei  der  Arbeiterpensionskasse  und  der
Weinmannstiftung  tätig.
            
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