Full text: Die wirtschaftliche Entwickelung der Industrie im Osten und ihre Einwirkung auf das Bevölkerungsproblem

Die wirtschaftliche Entwicklung der Industrie im Osten. 11 
Kapital, wie von Kohlen zu rechnen. Die Beobachtung der 
Bevölkerungsverhältnisse der vier östlichen Provinzen Preußens 
hat weiter, was die Frage der Binnenwanderung angeht, eine 
sich immer verstärkende Abwanderung speziell der in landwirt 
schaftlichen Betrieben aufgewachsenen Kreise der Bevölkerung 
nach dem Westen gezeigt. Der Mangel von Arbeitskräften wird 
vielleicht von keiner anderen Gruppe von Unternehmern stärker 
beklagt als vom Großgrundbesitz, der in den östlichen Provinzen 
überwiegt. Infolgedessen ist ebenso wie mit der Notwendigkeit 
des Imports von Kohlen und Kapital mit dem absoluten Zwang 
zum Import von Arbeitskräften in dieses Gebiet schon zur 
Durchführung des bisher überwiegenden landwirtschaftlichen Be 
triebes zu rechnen, geschweige denn zur Durchführung einer In 
dustrialisierung, die eine weitere Zahl von Arbeitskräften für 
ihre Entstehung zur Voraussetzung hat. Und was das Ent 
scheidende ist für die Frage des Bevölkerungsproblems und da 
mit für die Frage der politischen Behandlung dieser ganzen 
Dinge, der Nachschub dieser Arbeitskräfte erfolgt 
nicht aus germanischen Gebieten, sondern erfolgtim 
wesentlichen durch die Einwanderung von Slaven. 
Es fehlen also im großenGanzen betrachtet die 
drei natürlichen Grundlagen für eine Industriali 
sierung des Ostens, wenigstens wenn man eine In 
dustrialisierung im großen Stile vor Augen hat. 
Im einzelnen ist zu dem soeben vorgetragenen zu be 
merken, daß immerhin in gewissem Sinne ein Ersatz für 
Steinkohlen für industrielle Zwecke durch Braunkohle 
zu ermöglichen ist. Daß sich Braunkohle in gleichem Sinne wie 
Steinkohle industriell verwenden lasse, wird von niemand be 
hauptet, aber als Surrogat wäre die Braunkohle nicht zu ver 
achten. Es gibt zweifellos Braunkohlenlager im Osten; ich
	        
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