834
Die Welttelegraphie.
lich im Mittelländischen Meere, damals verschiedene Kabellegungen, welche erst später,
nachdem bereits an größeren Linien wichtige Erfahrungen gewonnen waren, zustande
gekommen sind, so namentlich die schon im Jahre 1853 mehrfach unternommene, aber
erst im Jahre 1870 gelungene Verbindung zwischen Marseille und Bona in Algier,
welche später durch direkte Kabel zwischen Marseille und der Stadt Algier selbst ver
vollständigt worden ist.
Im ganzen bietet die eigentliche Legung eines Kabels selbst, sobald nur eine gün
stige Jahreszeit gewählt wird, auf weniger lange Strecken und in minder beträchtliche
Wassertiefen nur geringe Schwierigkeiten dar. Vom Hinterteil des Schiffes aus wird
das zu versenkende Tau mittels eines Rades oder durch eine Klüse hinabgelassen, wobei
die Abwickelung gewöhnlich von einer großen gußeisernen Trommel vor sich geht. Dabei
wird durch das ablaufende Tau bereits mit dem Ausgangspunkte an der Küste der erste
telegraphische Verkehr unterhalten, allerdings zunächst nur, um die Leitungstüchtigkeit
des Kabels festzustellen. Hierzu wird das von Gauß und Poggendorff erfundene und
namentlich von Thomson verbesserte, höchst empfindliche Spiegelgalvanometer
benutzt, welches aber nicht bloß dazu dient, die Leitungsfähigkeit und Isolierung
des Kabels in jedem Augenblicke während der Versenkung selbst zu prüfen, sondern
auch zugleich als Zeichengeber und noch heute als Sprechinstrument für den wirklichen
Depeschenverkehr zwischen Europa und Amerika angewendet wird. Dieser sehr feine
Apparat läßt noch die schwächsten elektrischen Ströme erkennen, deren man sich zur
Zeichengebung bedient, um die Leitungskraft des Kabels nicht zu gefährden. Während der
Versenkung des Taues findet eine fortwährende Zeichengebung zwischen dem Schiff und
der Küste statt, wie es Abb. 832 anzeigt, auf welcher 0- und 6' die Thomsonschen Spiegel
galvanometer vorstellen. Der geringste Strom, welcher durch die Drahtumwindung a b
geht, lenkt die Magnetnadel, an welcher ein kleines Spiegelchen befestigt ist, ab. Auf das
Spiegelchen läßt man einen Lichtstrahl fallen, der reflektiert und auf eine mit Teilstrichen
versehene Skala geworfen wird. Bei der Bewegung der Magnetnadel ändert sich die
Stellung des Spiegelchens und somit auch die Richtung des reflektierten Lichtstrahles,
d. h. das Bild des Lichtstrahles wandert auf der Skala hin und her. Da der Winkel,
unter welchem der Lichtstrahl reflektiert wird, stets doppelt so groß ist, als der Winkel,
um welchen sich das Spiegelchen gedreht hat, so läßt sich, wenn die Skala genügend weit
von der Magnetnadel aufgestellt ist, selbst die kleinste Schwankung der letzteren leicht
beobachten. B bezeichnet die Batterie und T einen Taster, dessen oberer Hebel nieder
zudrücken ist, so daß sich die beiden Teile bei 1 trennen und der zur Erdplatte P führende
Draht k außer Verbindung mit der Batterie gesetzt wird. K K ist das im Meer ge
lagerte und bei s vom Schiffe ablaufende Kabel, dessen Kupferkern bei d mit dem
Galvanometer verbunden ist. In dieser Anordnung, solange die Taster T an der Küste
wie auf dem Schiffe geschlossen sind, geht der Strom der Batterie B in der Positiven Rich
tung a, Gr', b, KK, e, s, g, Gr, h in das Meer und mittels der Erdleitung durch das
Meer zurück nach P, k, i, T zum negativen Pole der Batterie. Daher sind in diesem
Falle bei völlig geschlossenem und rücklaufendem Strom die Galvanometer auf beiven
Stationen abgelenkt und der Lichtzeiger weist auf einen bestimmten Punkt der Skala.
Jede noch so geringe Bewegung des Lichtzeigers aber ist ein untrügliches Zeichen, daß
sich etwas in diesen Dingen geändert hat, sei es in der Leitung oder Isolierung des
Leitungsdrahtes, sei es infolge der willkürlichen Bewegung des Tasters, wodurch eben
ein Zeichen gegeben wird. Mit Hilfe dieser Zeichen, deren Richtung und Zeitdauer genau
verabredet sind, kann man einen ununterbrochenen Austausch von Nachrichten tvährend
der Kabellegung zwischen Küste und Schiff unterhalten und sich fortwährend von dem
Zustande des Kabels wie von dem Fortschreiten der Legung gegenseitig unterrichten.
Da man zur Legung des Kabels möglichst sichere Witterung aussucht, so geht der
erste Teil der Ausführung in der Regel auch glücklich von statten. Bei stürmischer Luft
aber, wenn wegen heftiger Schwankung sich die Mannschaft auf dem Schiffe kaum auf
recht zu erhalten vermag, wenn plötzliche Finsternis hereinbricht und die genaue Über
wachung des abrollenden Taues erschwert, kommt das Kabel leicht in Unordnung, und