Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Zusatz.  Aus  dem  Essener  Bezirk  wird  hingegen  gemeldet,  daß
es  dort  wöchentlich  nur  2  Pfund  gibt.  Auf  einzelnen  Zechen  des
GladbeckerBezirks  soll  die  früher  gewährteZusatzmenge  von  einem
Pfund  die  Woche  jetzt  mit  aufzeichnet  werden,  so  daß  die  Bergleute ­
  nur  2tz->  Pfund  die  Woche  bekommen.  (Die  Namen  der
Zechen  konnte  ich  leider  noch  nicht  erfahren.)  Auch  in  diesem
Punkte  läßt  die  Einheitlichkeit  sehr  zu  wünschen  übrig.
6.  Verteilung  von  Lebensmitteln  durch  die  Werkvereine.
Großer  Unwille  besteht  unter  der  großen  Mehrzahl  der  Bergarbeiterschaft ­
  auch  darüber,  daß  ihre  Frauen  oft  stundenlang  vor
den  Geschäften  stehen  müssen,  um  die  notwendigen  Lebensmittel
zu  erhalten,  sehr  oft  vergeblich  warten  und  mit  leeren  Taschen
oder  Körben  fortgehen  müssen,  während  die  Werkvereine  in  der
Lage  sind,  auf  den  Zechen  an  ihre  Mitglieder  Speck,  Fett,  Margarine, ­
  Hülsenfrüchte  usw.  abzugeben.  Die  Bergleute  fragen  sich
wohl  nicht  mit  Unrecht,  wie  ist  es  den  Werkvereinen  möglich,,
solche  Waren  auszugeben,  wenn  solche  in  den  Lebensmittel-Verkaufsstellen
  der  Gemeinden  vielfach  entweder  gar  nicht  oder
doch  nur  in  sehr  beschränktem  Maße  zu  haben  sind.  Der  Streik
eines  Teils  der  Belegschaft  der  Zeche  Neu-Cöln  am  Freitag,  den
1.  d.  Mts.,  ist  zum  Teil  mit  auf  diese  Tatsache  zurückzuführen
und  ist  dieses  in  einer  am  gestrigen  Sonntag  stattgefundenen
Belegschaftsversammlung  zuni  Ausdruck  gekommen.  Die  Bergleute ­
  wissen,  daß  es  mit  den  Lebensmitteln  knapp  bestellt  ist,  sie
wissen,  daß  sie  sich  einschränken  müssen.  Ihr  Unwille  richtet  sich
gegen  jede  Bevorzugung.  Es  dürfte  ratsam  sein,  jede  Verteilung
von  Lebensmitteln  an  einzelne  Gruppen  der  Arbeiter  zu  unterlassen. ­
  Was  vorhandeü  ist,  soll  gleichmäßig  an  alle  Bergleute
verteilt  werden.
W  S-Schließlich
  will  ich  noch  mitteilen,  daß  auch  die  Verteilung
von  Speck,  Margarine  und  Fleischwaren  noch  sehr  zu  wünschen
übrig  läßt.  So  wird  aus  deni  Landkreise  Recklinghausen  gemeldet, ­
  daß  aus  den  fiskalischen  Zechen  sowie  den  Moltke-  und  Nordsternschächten
  wiederholt  Fleischwaren  an  die  Bergleute  verteilt
wurden,  während  auf  Bismarck  VII  vill  nur  einmal  Plock-  und
Mettwurst  zur  Verteilung  gelangte.  Auf  den  übrigen  Bismarckschächten ­
  und  den  Hugoschächten  ist  noch  nichts  verteilt  worden.
Da  inzwischen  vom  Kriegsernährungsamt  einheitliche  Sätze  festgesetzt ­
  worden  sind,  so  darf  man  wohl  annehmen,  daß  bald  nach
einheitlichen  Grundsätzen  verfahren  wird.
Es  zeichnet  hochachtungsvoll  ergebenst!
(Unterschrift.)
            
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