Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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beschäftigt  werden,  die  der  Gesundheit  und  körperlichen  Entwicklung ­
  dieser  Personen  möglichst  wenig  nachteilig  sind;
9.  die  knappschaftlichen  Bezüge  der  Invaliden,  Witwen  und  Waisen
eine  den  gegenwärtigen  Teuerungsverhältnissen  einigermaßen
angemessene  Aufbesserung  erfahren."

Betrifft  Schuh-  und  Kleidervcrsorgung.
Bochum,  Essen,  Wanne,  den  1.  Februar  1918.
An  die  Reichsbekleidungsstelle,  Berlin.
Die  unterzeichneten  Vorstände  der  vier  Bergarbeiterorganisutionen
  gestatten  sich,  die  Reichsbekleidungsstelle  darauf  aufmerksam ­
  zu  machen,  daß  die  Versorgung  der  Bevölkerung,  und
besonders  der  Bergarbeiter,  mit  Schuhen,  Kleidungsstücken  und
Wäsche  als  völlig  ungenügend  bezeichnet  werden  niuß.  Die  zur
Versorgung  der  Bergarbeiter  zur  Verfügung  stehenden  Arbeitsschuhe ­
  reichen  bei  weitem  nicht  aus,  um  die  dringendsten  Anforderungen ­
  zu  befriedigen.  Da  es  der  großen  Mehrzahl  der  Bergarbeiter ­
  nicht  möglich  ist,  in  Holzschuhen  zu  arbeiten,  so  bedeutet
das  Fehlen  von  Lederschuhen,  daß  die  Arbeiter  nicht  arbeiten
können.  ,  Die  gleichen  Mängel  bestehen  in  der  Versorgung  ant
Kleidern  und  Wäsche.  Zu  diesen  Mängeln  kommt  hinzu,  daß  die
vorhandene  Ware  nur  zu  unerhört  hohen  Preisen  zu  haben  ist.
Für  ein  Paar  Schuhe,  die  in  Friedenszeiten  6  Mark  kosteten,
werden  heute  30  bis  60  Mark  verlang!  und  bezahlt.  Dabei  erhält ­
  der  Arbeiter  heute  Schuhe,  die  schon  nach  kurzer  |)ett  zerrissen ­
  sind  und  hohe  Reparaturkosten  verursachen.  Für  Kleidung ­
  und  Wäsche  werden  wahre  Phantasiepreise  verlangt.  Ein
Grubenanzug,  der  früher  für  8  bis  10  Mark  zu  haben  war,  muß
heute  mit  66  Mark  bezahlt  werden.  Hinzu  kommt,  daß  die  Ware
heute  sehr  minderwertig  ist.
Die  Folge  ist,  daß  jetzt  bittere  Not  in  den  Arbeiterfamilien
zu  finden  ist.  Diese  Zustände  haben  eine  Stimmung  erzeugt,  die
für  die  Landesverteidigung  sehr  bedrohlich  ist.  Es  ist  deshalb
dringend  erforderlich,  daß  die  Versorgung  der  Bevölkerung  mit
Bekleidungsstücken  eine  wesentlich  bessere  wird.  Die  von  den
Bergarbeitern  bewohnten  Jndustriebezirke.  müssen  mit  Bekleidungsstücken ­
  besonders  beliefert  werden.  Notwendig  ist  auch
vor  allen  Dingen,  daß  die  Preise  so  gesetzt  werden,  daß  die  arbeitende ­
  Bevölkerung  sie  auch  bezahlen  kann.
Hochachtungsvoll!
Verband  der  Bergarbeiter  Deutschlands  (Bochum).
Gcwerkvcrcin  christlicher  Bergarbeiter  Deutschlands  (Essen).
Polnische  Bcrufsvcreinigung  (Abteilung  Bergarbeiter).
Gelvcrkverein  der  Fabrik-  u.  Handarbeiter  H.-D.  (Abt.  Bergarb.)
            
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