Object: Sittlichkeit in Ziffern?

Nationale Unterschiede, 
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gehaltene Lobsprüche, wie der als national angesprochene, 
Luther zugeschriebene Satz vom wein-, weib- und gesang- 
liebenden Nichtnarren, entpuppen sich dem Folklore-Kenner 
gar leicht als internationalen Ursprungs1%. 
Bei aller gebotenen Vorsicht scheint doch ein verschiedenes 
Verhalten der Rassen oder doch Völker auch aus den moral- 
statistischen Ziffern herauszuspringen. Wie Spann an der nach 
Volksstänmen geordneten österreichischen Statistik, sich also 
des gleichen juristischen und statistisch-technischen Messungs- 
apparates bedienend, festgestellt hat, haben die Bajuvaren 
139 „Man schreibt bekanntlich Luther den Spruch zu: ‚Wer nicht liebt 
Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang,‘ aber es 
fragt sich, mit welchem Recht, und die Antwort lautet, Luther ist nicht 
sein Urheber. Es ist jedoch sehr interessant zu verfolgen, wie sich die 
falsche Meinung einbürgern konnte, Die Verse finden sich zuerst 1775 in 
dem von Heinrich Voß herausgegebenen „Wandsbecker Boten“ mit der 
Angabe von Luthers Verfasserschaft und gingen zwei Jahre später in den 
Voßschen Musenalmanach über. Als der Theologe Herrenschmidt Voß Vor- 
würfe macht, daß er zu Unrecht Luther als Autor genannt habe, konnte 
dieser seine Angabe nicht begründen und verteidigen, und man meint, daß 
er einfach ein italienisches Sprichwort: ‚Chi non ama vino, donna e canto, 
o & un matto o & un santo‘, ‚Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, ist 
entweder ein Narr oder ein Heiliger‘ frei übersetzt habe. Ein Anklang 
an den Spruch findet sich allerdings bei Luther, nämlich in der als Serotina 
bezeichneten handschriftlichen Sammlung von Tischreden. Theodor Lauten- 
bach und Wolter haben da aus dem Jahre 1536 folgendes scherzhaftes 
Gespräch verzeichnet: ‚Morgen muß ich über die Trunkenheit des Noah 
lesen, also werde ich heute abend tüchtig trinken, damit ich aus Erfah- 
rung über das böse Ding reden kann.‘ ‚Keineswegs‘, sagte Doktor Cordatus, 
‚sondern das Gegenteil muß geschehen.‘ Da sprach Luther: ‚Man muß 
ja einem jeden Lande sein Gebrechen zugute halten. Die Böhmen fressen, 
die Wenden stehlen, die Deutschen saufen getrost, Denn, lieber Cordate, 
wie wollt Ihr jetzt anders einen Deutschen vortun denn ebrietate, praeser- 
lim talem, qui non diligit musicam et mulieres? (als durch Trunkenheit, 
zumal einen solchen, der Musik und Frauen nicht gern hat).‘ Das würde 
allerdings heißen, daß nach Luthers Ansicht die Deutschen jene Dreiheit 
lieben, diejenigen aber, die von Gesang und Weib nichts wissen wollen; 
wenigstens den Wein,“ (C. K. in den „Basler Nachrichten“. 1. Beil. zu 
Nr. 558, 7. Nov. 1919.)
	        
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