Full text : Wert und Preis

Vorwort.
Nicht  ohne  Hemmungen  reifte  in  mir  der  Entschluß,  die  ungeheure ­
  Literatur  über  Wert  und  Preis  um  ein  neues  Buch  zu
vermehren.  Schließlich  hielt  ich  es  doch  für  nützlich,  auf  Grund
langer  wirtschaftspolitischer  Erfahrung  das  Wort  zu  einer  Theorie
zu  ergreifen,  die  heute  in  einen  weltfernen  Winkel  geraten  ist.  Die
jetzt  herrschende  Grenznutzentheorie  hat  zweifellos  das  Verdienst,
daß  sie  über  die  klassische  Kostentheorie  hinaus  einen  entscheidenden
Schritt  nach  vorwärts  gewagt  hat.  Sie  bedeutet  aber  doch  nur
eine  Etappe  auf  dem  Wege  der  Erkenntnis.  Ein  Stehenbleiben
wäre  um  so  gefährlicher,  als  die  Resultate  dieser  Theorie  wirtschaftspolitisch ­
  unbrauchbar  sind.  Der  homo  oeconomicus  ist  doch
nur  ein  Fabelwesen  aus  dem  nationalökonomischen  Märchenwald.
Die  rein  abstrakte  Methode,  die  Gesetze  aus  dem  Wege  der
Deduktion  zu  finden  sucht,  indem  sie  die  wirtschaftliche  Tätigkeit
unter  bestimmten,  bloß  gedachten  Bedingungen  verfolgt,  ist  ein
wertvolles  Hilfsmittel  überall  dort,  wo  die  Wege  der  Erfahrung
nicht  weiter  führen.  Wer  aber  schon  vom  Universitätsseminar  die
Welt  mit  Gedankenkunststücken  meistern  will,  läuft  große  Gefahr,
an  der  Wirklichkeit  vorbeizugreifen.  Wer  auf  dem  Boden  realer
Bedingungen  bleibt,  wird  vor  allem  zur  Erkenntnis  kommen,  daß
es  auf  dem  Gebiete  der  Volkswirtschaftslehre  überhaupt  keine  für
alle  Zeiten  ausreichende  Erklärung  gibt.
Die  Volkswirtschaft  ist  nämlich  nicht  ein  toter  Mechanismus,
der  sich  nach  einer  ewig  gleichbleibenden  Gesetzmäßigkeit  bewegt,
sondern  ein  lebendiger  Organismus,  der  niemals  im  Zustande  vollkommenen ­
  Gleichgewichts,  sondern  in  einer  ungleichmäßigen  Entwicklung ­
  begriffen  ist.  Der  Mensch  steht  zwar  in  einem  Abhängigkeitsverhältnisse ­
  zur  physischen  Gesetzmäßigkeit,  weil  er  sich  nur  im
Rahmen  der  äußeren  Natur  betätigen  kann,  nimmt  aber  in  seiner
sozialen  Entwicklung  seine  eigenen  Wege.
Die  vorliegende  Arbeit  ist  speziell  dem  Nachweis  gewidmet,
daß  wir  es  bei  dem  vielerörterten  Wertproblem  mit  drei  ver ­
            
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