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Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule
allerdings zu beseitigen in der Lage sind ff. Sie beruht auf
der Verknüpfung der Triebfedern physisch - ethischen und
gewerblichen Gewinnes dort, wo es sich um die Produktion
von persönlichem Kapital handelt. Weil der Arbeiter von der
Kinderzeugung neben dem physisch-ethischen Gewinn einen
gewerblichen durch die Ausbeutung der Arbeitskraft seiner
Kinder erwartet, legt er selbst dann noch seine Ersparnisse in
persönlichem Kapital an, wenn der Gewinn, den dieses abzu
werfen vermag, unter denjenigen von beweglichem und unbe
weglichem Kapital gesunken ist. „Wenn die Kinderzeugung
wie in den höheren Klassen, eine Last für die Eltern wäre,
statt ihnen einen gewerblichen Gewinn einzutragen, würde
wahrscheinlich die Zeugung ungenügend sein und der Lohn
über seinen notwendigen Satz steigen“ 2 ).
Neben die übermäßige Kinderzeugung als Ursache der
heutigen prekären Lage der Arbeiter tritt deren Abhängigkeit
von den Unternehmern 3 ). Bei jedem Unternehmen geschieht der
Einkauf von Rohstoffen und die Miete der benötigten Immo
bilien unter Gleichheitsverhältnissen, die für die Anwerbung
von Arbeitern gewöhnlich nicht zutreffen. Wenn das Preis
angebot des Unternehmers den Rohstoff Verkäufern und Gebäude
vermietern zu gering erscheint, so können sie warten, bis die
Marktlage sich zu ihren Gunsten bessert. Die Arbeiter aber
können nicht warten, weil sie keinen genügenden Vorschuß an
Unterhaltsmitteln besitzen. Weil deshalb das Arbeitsangebot
intensiver ist als das Lohnangebot, kann der Lohn unter den
notwendigen Satz sinken. Dieses Sinken „kommt zum Ausdruck
in übermäßiger Arbeitsdauer und ungenügender Entlohnung.
Die Unternehmer, nicht nur die Arbeiter, haben an dieser Sach
lage Schaden. Zunächst veranlaßt allerdings ein Sinken der
Löhne das Steigen des Unternehmergewinns ; dies aber zieht die
Kapitalien in die betreffende Branche, und die Konkurrenz be
wirkt alsbald das Sinken des Unternehmergewinnes, häufig unter
die ursprüngliche Höhe. Der Konsument profitiert alsdann von
der geringen Lohnhöhe. Aber nicht lange. Denn ungenügend
entlohnte Arbeit verliert rasch an Qualität, wenn nicht an
') ibid. p. 218
2 ) ibid. p. 219.
3 ) ibid. p. 212 ff.