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Wie es scheint, war der Schmied der erste typische Hand
werker, der die isolierten Wirtschaften untereinander verbun
den hat.*)
Der Schmied wird in den ältesten Sagen erwähnt. In den
russischen Sagen figuriert auch ein Gerber, der also schon vor
der Entstehung der Rayonwirtschaft für die Bauernfamilien
arbeitete.
Gewöhnlich wird die Gemeinde schon von den Gutsherren
ausgebeutet und deren Wirtschaft gehört eigentlich zur Gemeinde,
Der Gemeindehandwerker arbeitet nicht nur für die Bauern
wirtschaften, sondern auch und hauptsächlich für den Grund
herrn. Aus einer Zählung aus dem Jahre 831 unter Ludwig dem
Frommen geht schon hervor, daß in der Nähe des Klosters ganze
Straßen oder Stadtviertel von Handwerkern bewohnt wurden, wie
von Schmieden, Riemern, Waffenschmieden, Bäckern, Gerbern
usw. „All diese Unfreien mußten für das Kloster arbeiten zum
Ersatz der ihnen erlassenen landwirtschaftlichen Fronarbeit.“ **)
„Das charakteristische Merkmal der Gutswirtschaft, ganz gleich,
ob diese die Arbeit der Kolonisten oder die der unterworfenen
Stämme in Anspruch nimmt, ist ihre größere oder geringere Iso
lierung.“ ***)
Die Gemeindewirtschaft, sowohl die zuerst isolierte, als auch
die mit den anderen desselben Rayons verbundene, stellte ein
selbständiges Ganze dar, das ein selbständiges wirtschaftliches
Leben führte. Wohl konnte ein Handwerker nicht bloß für eine
Gemeinde arbeiten, sondern von Ort zu Ort wandern; dies hebt
aber die Isolierung der einzelnen Gemeinde-Wirtschaften nicht
auf. In Rußland war dieser Typus der Wanderhandwerker wahr
scheinlich sehr verbreitet. So finden wir in den Aufzeichnungen
über die Hauswirtschaften, daß „Iwan in den Städten und Dör
fern das Handwerk eines Schneiders betreibt“.!)
*) Siehe Kulischer, Vorlesungen über die Wirtschaftsgeschichte,
S. 49 (russ.).
**) Koldalewsky, Die wirtschaftliche [Entwicklung Europas, Bd. III,
S. 12 (russ.).
**•) Ebd. Bd. I, Einführung, S. XIV.
t) Bjeljaew, Die Bauern in Rußland, S. 157.