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dagegen ließ sich der Acker nicht mehr ausdehnen, und man ist
gezwungen, nachträgliche, weniger produktive Arbeitsaufwände
auf dem alten Boden zu machen. Trotz dem technischen Fort
schritt ist hier die Tendenz zur Abnahme der Arbeitsproduktivität
bei den neuen Kapitalaufwänden unverkennbar.
So ist die Produktivität der landwirtschaftlichen Arbeit in
Deutschland in ganz geringem Maße gestiegen. Bei der sich
fast gleichbleibenden Zahl der Erwerbstätigen in der Landwirt
schaft (1882 8 236 Tausend, 1895 8 292 Tausend Personen) steigt
die Einfuhr von Jahr zu Jahr, und die einheimische Produktion
ist außerstande, den Bedürfnissen der Bevölkerung nachzu
kommen. 1 \
Das Sinken der Produktivität der sukzessiven Arbeitsaufwände
führt dazu, daß mit der Verdichtung der Bevölkerung die Ge
treidemenge pro Kopf abnimmt, obgleich die Bodenerträge ge
stiegen sind. Die Getreidemenge war im Jahre 1907 pro Kopf der
Bevölkerung wie folgt: *)
Bevölkerung Getreide
Länder pro Quadrat- pro Kopf,
kilometer in Tonnen
Großbritannien 131
Deutschland 112
Frankreich 73
Ungarn
Europäisches Rußland 24
Vereinigte Staaten 10,8
Kanada
Argentinien 2,1
0,15
0,4
0,478
0,6
0,36
1,15
1,44
1,47
Wir bemerken hier ein folgerichtiges Sinken der pro Kopf
berechneten Getreidemenge mit der Zunahme der Bevölkerungs
dichte. Die Abweichung, die Rußland darbietet, erklärt sich
daraus, daß die landwirtschaftlichen Gegenden Rußlands dichter
bewohnt sind als die übrigen. So produzieren die nördlichen.
*) Berechnet nach den „Résultats statistiques du recensement général
de la population effectué le 4 mars“, 1906, Bd. I, und der „Weltwirt
schaft“, herausgegeben v. Halle.