538 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
ernstlichen Durchbruch durch die deutsche Belagerungsarmee ver—
sucht hatte? Er war mißlungen: „an demselben Tage und zur
selben Stunde, wo sich die Vernichtung des einen französischen
Heeres bei Sedan vollzog, kehrte das andere zu nunmehr ziemlich
hoffnungsloser Gefangenhaltung nach Metz zurück.“
Für die deutsche Heeresleitung aber bestand zunächst eine
einzige klare Aufgabe: der Vormarsch auf Paris und die Um—
zingelung der Hauptstadt.
In der Nacht zum 4. September wurde in Paris das
Unglück von Sedan und die Gefangennahme des Kaisers be—
kannt. Der Gesetzgebende Körper trat alsbald zusammen, um
über einen Regierungsausschuß zu beschließen. Aber seine Be—
ratungen wurden durch tumultuierende Volkshaufen gestört, und
die Republik wurde ausgerufen. Die Kaiserin verließ Paris.
General Trochu und einige Mitglieder der Kammerminorität
traten als Regierung der Nationalverteidigung zusammen.
Unterdessen hatten die Deutschen, freilich für Operationen
im freien Felde nur noch hundertfünfzigtausend Mann stark,
sofort den Marsch gegen Paris angetreten. Am 19. September
war, nach geringen Kämpfen gegen junge Truppen, die Ein—
schließung der Stadt vollendet; sechs Armeekorps standen in
elf Meilen langer Entwicklung vor ihren Wällen, zum Teil
selbst im Bereich ihrer Geschütze. Es war ein Ergebnis, das
die Franzosen zum ersten Male zu Friedensverhandlungen ver⸗
anlaßte. Freilich blieben diese ergebnislos, da der Unterhändler
Jules Favre auf Grund des Regierungsprogramms „keinen Fuß—
breit unseres Landes, keinen Stein von unseren Festungen“, nur
eine Geldabfindung zu bieten hatte.
In der Tat waren auch die kriegerischen Kräfte Frank—
reichs noch keineswegs erschöpft. Und neben sie stellte sich die
leidenschaftliche Energie neuer, republikanischer Staatsmänner.
Unter ihnen trat, während Thiers die europäischen Höfe auf
einer Rundreise zum Einschreiten für Frankreich zu bestimmen
suchte, Gambetta vor allem hervor. Er war, nachdem er Paris
in einem Luftballon verlassen hatte, die Seele der in Tours
gebildeten Landesregierung. Innerhalb der Hierarchie der