Full text: Selling Latin America

Hansestädte mit 478000 Dollars an fünfter Stelle in der Liste 
der nordamerikanischen Ausfuhr; sie standen weit zurück hinter 
Großbritannien mit mehr als 9 Millionen, Frankreich mit 4 8 /* 
Millionen Dollars. Fünf Jahre später hat sich das Bild schon 
völlig gewandelt: mit 9 2 /s Millionen sind die Hansestädte an die 
zweite Stelle gerückt, die amerikanische Ausfuhr nach den deutschen 
Seeplätzen übertrifft sogar die nach Großbritannien mit sämtlichen 
Kolonien, ja bald die nach Großbritannien und Frankreich zu 
sammengenommen. Dieses erstaunliche Wachstum zeigte freilich 
die Merkmale ungesunder Überhastung. Ein wildes Spekulativns- 
fieber hatte die Handelskreise ergriffen, der Hamburger Markt war 
mit Kolonialprodukten überfüllt — erreichte doch die amerikanische 
Einfuhr nach den Hansestädten die unglaubliche Höhe von über 
17 Millionen Dollars — übereilte Verschiffungen deutscher Waren 
nach Spanisch-Amerika kamen hinzu, und so brach im Frühjahr 
1799 eine schwere Handelskrise über Hamburg und Bremen herein. 
Dank der Festigkeit seiner Bank und Valuta überstand doch Ham 
burg die Krisis verhältnismäßig rasch und leicht; der nordameri 
kanische Handel der Stadt war gut genug fundiert, um nicht 
ernstlich und dauernd in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Auch 
in Bremen verhüteten die klugen Maßnahmen der Regierung, 
namentlich die Errichtung einer Warenbank, größere Verluste. 
Es handelt sich bei dem amerikanischen Verkehr noch nicht 
vorwiegend um einen direkten Austausch einheimischer Erzeugnisse. 
Auch die Vereinigten Staaten dienten vielmehr als Durchfuhr 
land für westindische Kolonialwaren, Zucker und Kaffee; im Jahre 
1798 war die hnmburgische Zuckereinfuhr aus Nordamerika vier- 
bis fünfmal so groß als der direkte Import aus Westindien. 
Unter den Einfuhrgegenstände» nordamerikanischen Ursprungs 
standen Tabak und Reis voran. Der Anteil der hansestädtischen 
Reederei an diesem Verkehr blieb zunächst geringfügig, weil es ihr 
an Ausfrachten fehlte. Seit 1797 machte sie zwar rasche Fort 
schritte, aber überwiegend fand der Warenaustausch unter ameri 
kanischer Flagge statt, die 1796 von nicht weniger als 239 Schiffen 
im Hamburger Hafen gezeigt wurde. Diese Amerikaner vermittelten 
nicht nur den Handel mit den Vereinigten Staaten selbst, sondern 
beteiligten sich in freier Tramp- oder, wie man damals sagte, 
Aventure- Fahrt, nach allen Ländern — ein Umstand, dem
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.