Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

10. Kap. Regelung socialer Verhältnisse durch Intervention des Staates. 421 
schäftigten Personen, welche zur Besatzung deutscher See- oder Binnenwaffer- 
schiffe gehören. Durch Beschluß des Bundesrathes kann die Versicherungs 
pflicht noch weiter ausgedehnt werden, und zwar: 1. auf Betriebsunternehmer, 
die nicht wenigstens einen Lohnarbeiter beschäftigen, sowie auf die Haus 
gewerbetreibenden, d. h. auf die Personen, welche in ihrem eigenen Locale 
mit der Herstellung und Bearbeitung gewerblicher Erzeugniffe, und zwar in 
der Regel im Aufträge und für Rechnung anderer, beschäftigt sind. Die Per 
sonen , auf welche die Bersicherungspflicht durch Bundesrathsbeschluß aus 
gedehnt werden darf, können sich auch schon vorher freiwillig in der zweiten 
Lohnklaffe versichern, wenn sie noch nicht 40 Jahre alt sind. Personen, 
deren Bersicherungspflicht erlischt, können sich gleichfalls, wenn sie wollen, in 
der zweiten Lohnklaffe weiter versichern. Sie muffen dann aber selbstredend 
den gesamten Beitrag selbst aufbringen und zudem einen dem Reichszuschuß 
(siehe unten) entsprechenden Betrag einzahlen, wie das auch die übrigen frei- 
Millig Versicherten thun müssen. Der aus einem Versicherungsverhältniß er- 
wachsende Anspruch erlischt, wenn während vier aufeinander folgender Kalender 
jahre nur für weniger als zusammen 47 Beitragswochen Beiträge entrichtet 
wurden. Die Berechtigung lebt aber wieder auf, wenn das Versicherungs- 
derhältniß infolge der gesetzlichen Nöthigung oder freiwillig erneuert wurde 
und sodann fünf Beitragsjahre verflossen sind. Die Besorgung der Ver- 
ficherungsgeschäfte liegt in den Händen territorialer Versicherungsanstalten, 
deren in Preußen jede Provinz eine besondere zählt, und zu diesem Behufe 
Absteht ein aus öffentlichen Functionären zusammengesetzter Vorstand, dem ein 
aus gewählten Vertretern der Unternehmer und der Versicherten gebildeter 
Ausschuß und unter Umständen auch ein Aufsichtsrath zur Seite steht. 
Welches sind nun aber die durch diese Anstalten gewährten Leistungen? 
Versicherten haben im Falle dauernder Erwerbsunfähigkeit auf eine In 
validen- sowie mit vollendetem 70. Jahre auf eine Altersrente Anspruch. Die 
Mittel dazu werden je zur Hälfte durch regelmäßige Wochenbeiträge der Arbeit 
geber und der Versicherten sowie durch Zuschüsse des Reiches aufgebracht. 
Towohl die Renten als die Beiträge richten sich nach der Höhe des Jahres 
arbeitsverdienstes ; in dieser Hinsicht werden vier Lohnklaffen unterschieden, 
pon denen die erste die Jahresarbeitsverdienste bis einschließlich 350 Mark 
auffaßt, während zur vierten diejenigen gehören, welche mehr als 850 Mark 
betragen. 
Was die Invalidenrenten anlangt, so beläuft sich ihr Mindest 
betrag, soweit er von den Versicherten und ihren Arbeitgebern aufzubringen 
'st, auf 60 Mark; zu jeder Rente kommt dann ein nicht erhöhbarer Reichs- 
^uschllß in der Höhe von 50 Mark. Dieser Betrag von 110 Mark steigert 
sich dann im Verhältniß zur Zunahme der Wochenzahl, für welche die Bei-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.