Object : Die Eisenindustrie in Südrußland

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industrie  von  Anfang  an  das  Ziel  gesteckt  hatte,  auf  kriegerischem
Gebiete  Rußland  unabhängig  von  dem  Auslande  zu  machen.  Das
äußerte  sich  in  einem  raschen  Wachstum  der  staatlichen  Gewehrfabriken. ­

Mau  begann  aber  auch,  den  Privatbergbau  stark  zu  begünstigen;
die  alten  Bergrechtsprinzipien  wurden  zugunsten  der  Privatunternehmer
verändert.  Seit  alten  Zeiten  waren  nämlich  alle  Bodenschätze  als
Privateigentum  des  Zaren  angesehen  worden.  Jetzt  verlieh  man
mehrere  sehr  merkwürdige  Privilegien 1 ,  die  das  Aufsuchen  der  Erze
und  die  Anlegung  von  Bergwerken  befördern  sollten.  1719  erschien
das  berühmte  „Berg-Privilegium“,  welches  alle  Züge  der  Bergfreiheit
an  sich  trug:  „Es  wird  jedermann  gestattet,  ohne  Rücksicht  darauf,
was  für  einen  Titel  und  was  für  eine  Stellung  er  hat,  in  allen
Grundstücken,  in  eigenen  und  in  fremden,  alle  Metalle  zu  suchen,
zu  verhütten  und  zu  reinigen“ 1  2 .
Durch  den  Ukas  vom  Jahre  1720  wurden  diese  Privilegien  auf
alle  Ausländer  ohne  Unterschied  ausgedehnt.  Diese  Maßregeln
hatten  zur  Folge,  daß  eine  Reihe  von  Privatwerken  gegründet  wurde.
Außerdem  waren  auch  viele  Staatswerke  an  Privatunternehmer  übergegangen. ­
  Am  Ende  der  Regierung  Peters  d.  Großen  war  bereits
eine  großartige  Eisenindustrie  entstanden,  und  wenn  am  Anfang
seiner  Regierung  die  Gesamtzahl  der  Eisenwerke  kaum  zehn  ausmachte,
  so  hatte  diese  Zahl  bei  seinem  Tode  hundert  überschritten.
Die  Roheisenproduktion  im  Jahre  1725  überstieg  6  500000  Pud.
Bald  deckte  sie  nicht  nur  den  vorhandenen  Eisenbedarf  im  Lande,
sondern  erschien  sogar  auch  als  exportfähig.
Der  Eisenbedarf  war  damals  sehr  beschränkt;  der  Hauptkonsument ­
  war  der  Staat  selbst;  die  hauswirtschaftlichen  Bedürfnisse
der  überwiegenden  Bauernbevölkerung  konnten  für  die  Eisenindustrie
so  gut  wie  keine  Bedeutung  haben,  sodaß  diese  bald  auf  den  Export
angewiesen  war,  wenn  sie  gedeihen  wollte.  1716  kam  das  erste
russische  Eisen  nach  England 3 ,  welches  der  bekannte  Großgrundbesitzer ­
  im  Ural,  Nikita  Demidow  auf  Kosten  des  Zaren  nach  dem
Auslande  ausführen  mußte 4  5 ;  der  Export  nahm  seitdem  ständig  zu,
man  transportierte  das  Eisen  über  Archangelsk  und  St.  Petersburg.
Uber  die  Betriebsweise  der  Eisenhütten  jener  Zeit  wissen  wir
nicht  viel.  Die  Hochöfen  waren  klein,  sie  hatten  viereckige  Schächte
aus  einem  sehr  dicken  Mauerwerk  von  Ziegelstein  und  lieferten  nicht
über  200  Pud  Roheisen  täglich 6 .  Man  heizte  sie  selbstverständlich
mit  Holzkohle,  die  bei  den  Werken  in  den  umliegenden  Urwäldern

1  Storch,  a.  a.  O.,  II,  S.  490.
2  Struckgoff,  Lehrbuch  des  Bergrechts,  St.  Petersburg  1907,  S.  66.
3  Beck,  a.  a.  O.,  Bd.  III,  S.  1127.
4  Brandt,  a.  a.  O.,  S.  8.
5  Beck,  a.  a.  0.,  Bd.  III,  S.  1126.
            
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