IV.
Der nordamerikanische Imperialismus
und die von ihm bedrohten Völker.
Als erster Redner über die Kolonisierungsbestrebungen des Yankee-Imperialismus
in Latein-Amerika spricht
Jose Vasconcelos
(National-Partei, Porto Rico), ehemaliger Unterrichtsminister Mexikos.
1 muß mit einer Erklärung beginnen. Viele von Euch mögen sich fragen,
wie es möglich ist, daß dieser Mann hierher kommt und im Namen Latein-Amerikas,
im Namen der spanisch sprechenden Bevölkerung, zu Euch in
englisch spricht. Es wurde im Komitee beschlossen, daß nur zwei Sprachen
auf diesem Kongreß gesprochen werden sollten. Ich erhob keinen Widerspruch,
obgleich ich einer der eifrigsten Verteidiger der spanischen Sprache
bin, die das Hauptverbindungsmittel unserer Rasse ist. Ich sah ein, daß wir
uns mit Hilfe der englischen Sprache einer größeren Anzahl von Delegierten
verständlich machen können. Als ich dann hörte, daß die englischen Bergarbeiter
hier vertreten sind, und als ich Nordamerika uns auf englisch begrüßen
und mit uns zusammen arbeiten sah, da sagte ich mir: wenn es noch
Menschen gibt, die sich der englischen Sprache bedienen, um von der Freiheit
zu reden, dann kann auch Latein-Amerika sie benutzen um seine Meinung
zu sagen. .
Die Lage Latein-Amerikas ist in Europa nicht sehr bekannt. Noch weniger
weiß man darüber vielleicht in Asien. In Asien haben sie ihre eigenen
Sorgen, und Europa hat ein sehr begrenztes Interesse an Amerika.
Latein-Amerika begann als Kolonialland der Spanier und Portugiesen,
und noch heute sind wir weit davon entfernt, frei zu sein. Es scheint unser
Schicksal zu sein, Kolonie zu bleiben. Seit wir unsere Unabhängikeit gewannen,
organisierten wir innerhalb unseres eigenen Landes eine Art örtlichen
Kolonialsystems. Die Macht, welche mit dem Blute des Volkes
gesichert wurde, kam nur den aristokratischen Klassen, den Grundbesitzern
und den Reichen, zugute. Und die Unterdrückung des Volkes lebte unter