Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites Buch. Die Gegner. 
mittel ohne weiteres seine Abschaffung als Wertmesser nach sieb 
zieht. Man kann sich nur schwer vorstellen, daß der verallge 
meinerte Gebrauch des Scheckbuches ohne Geldhinterhalt nicht sehr 
schnell infolge des Überflusses an Papier zu einer Preisinflation 
führen sollte. W T enn uns auch das von Solvay vorgeschlagene tech 
nische Verfahren der Kritik zu unterliegen scheint, so haben wdr 
doch nichts gegen den Gedanken, die Menge des Metallgeldes zu 
verringern, und ebensowenig gegen den Gedanken, die Ungleichheit 
des Ausgangspunktes in einer industriellen Gesellschaft zum Ver 
schwinden zu bringen. 
Der Vorschlag Peoudhon’s wurde jedoch nie verwirklicht. Der 
„unentgeltliche Kredit“ — gerade wie „das Recht auf Arbeit“, „die 
Organisation der Arbeit“, und die „Arbeitergenossenschaft“ — sollten 
nur die Erinnerung an einen aufsehenerregenden Mißerfolg hinter 
sich lassen. 
PnouDHON gründete am 31. Januar 1849 notariell eine Gesell 
schaft, „Die Volksbank“, die die praktische Durchführbarkeit des- 
unentgeltlichen Kredites beweisen sollte. Schon in ihrer Organi 
sation konnte man bedeutsame Unterschiede mit dem theoretischen 
Plan der Tauschbank feststellen. Die Tauschbank sollte ohne Kapi 
tal gegründet werden: die Volksbank wurde mit einem Kapital von 
5 Millionen in Aktien zu 5 Fr. errichtet. Die Tauschbank sollte 
das Metallgeld abschaffen: die Volksbank sollte Bons nur gegen 
Bargeld oder gute Wechsel ausgeben. Die Tauschbank sollte den 
Zins abschaffen; die Volksbank setzte ihn auf 2°/ 0 fest, mit der Ab 
sicht, ihn auf ein Minimum von % % zu verringern. 
Trotz dieser bedeutenden Änderungen hat die Bank nicht funk 
tioniert. Nach drei Monaten betrug das gezeichnete Kapital erst- 
18000 Fr., obgleich die Anzahl der Anhänger beinahe 12000 war. 
In diesem Augenblick jedoch (am 28. März 1849) mußte sich Proüdhok 
vor dem Geschworenengericht der Seine wegen zwei Aufsätzen ver 
antworten, die er am 16. und 27. Januar 1849 gegen Louis Bonapaetb. 
veröffentlicht hatte. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis und zur 
Zahlung einer Geldstrafe von 3000 Fr. verurteilt. Am 11. April 
gab er in seiner Zeitung bekannt, daß er das Unternehmen aufgebe. 
Er fügte hinzu „daß es schon von den Ereignissen überholt sei“„ 
und schien so zuzugeben, daß er aufgehört habe, an einen Erfolg 
zu glauben. 
Von diesem Augenblick an tritt „der unentgeltliche Kredit“ bei 
Peoudhon in den Hintergrund, — und seine politischen und sozialen. 
Ideen nehmen bis zu seinem im Jahre 1865 eingetretenen Tode die 
erste Stelle in seinen Werken ein.
	        
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