Kapitel I. Die Physiokraten.
37
drücken nicht fehlen nnd nannte den Handel mit Geld eine Abgabe,
die die „Nagetiere“ yon Rentiers erhöben. Wie Mieabeau gründete
. Dr. Quesnay das Recht auf Zinsen nur auf den Reinertrag des
ßodens — denn, sagt er, jedes Kapital kann zur Erwerbung von
Grund und Boden verwendet werden. Er war aber weniger streng
Und verlangte nur eine gesetzliche Beschränkung. Hierin sind die
uysiokraten ganz logisch, denn wenn das, was nach ihnen ein rechtmäßiges
Anrecht auf Zinsen begründet, nicht eintritt, d. h. wenn das
-kapital nicht in Grund und Boden, sondern in der Industrie oder
(e ® Handel, die sie als unproduktiv definieren, angelegt wird, so ist
® s , klar, daß die Zinsen nur aus der Tasche des Schuldners kommen
°nnen; und dann müssen die Physiokraten diese Zinsen ebenso abehnen,
wie sie die Steuerleistung der industriellen und der Handels-]
asse ablehnen, was weiter unten ausgeführt werden wird.
Turgot ist der einzige, der offen die Freiheit des Geldleih-Scschäftes
zuläßt 1 ) und der Grund, den er anfflhrt, ist nicht allein
a s physiokratische Argument von der Möglichkeit, daß der Kapitalusitzer
sein Geld in Grund und Boden anlegen kann, sondern vor
1 en h daß er sich irgendwelcher Produktion zuwenden kann, da
upital die „unumgänglich notwendige Grundlage jedes Unternehmens“
k . )■ Daher wird er sein Kapital niemals jemandem geben, der ihm
wenigstens den Gegenwert dessen bietet, was er erhalten
nicht
kannte, wenn er es selbst in Industrie oder Handel verwendete,
dieser ]
als ob
Beweisführung scheint aber der Gedanke zugrunde zu liegen,
rn v jedes Unternehmen an und für sich produktiv sei. Und in der
Sc] ’ ^ ÜRG0T unterschied sich auch darin von der physiokratischen
' nie, daß er die Industrie und den Handel nicht als steril beachtete.*
§ 2. Die Rolle des Staates.
. Ba die Physiokraten glauben, daß es in den menschlichen Gedaß
DSC ^ a ^ e n e * ne nat ürliche Ordnung gibt, die von selbst wirkt, und
sch f 8 fol * lich deines geschriebenen Gesetzes bedarf, um die Herrüer
& v ^^ eser Ordnung festzulegen, da sie glauben, daß die Stimme
ein ■t' atur ü em Menschen „das, was ihm am vorteilhaftesten ist“
gibt und daß daher jeder Zwang unnötig ist, der jemanden bemen
soll, seinen Vorteil zu suchen, — so würde es scheinen, als
Alenj 1 ^ ^ ä er Verfasser einer berühmten Schrift Uber diesen Gegenstand:
2 )°' r , e sur les prets d’argent“ (Ausführungen über Gelddarlehen) 1769.
üüdnno' , e O ex i 0 us sur la formation des richesses (Betrachtungen über die
e “ es Reichtums) §§ LIX, LXI, LXXIV.