Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Physiokraten.

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drücken  nicht  fehlen  nnd  nannte  den  Handel  mit  Geld  eine  Abgabe,
die  die  „Nagetiere“  yon  Rentiers  erhöben.  Wie  Mieabeau  gründete
.  Dr.  Quesnay  das  Recht  auf  Zinsen  nur  auf  den  Reinertrag  des
ßodens  —  denn,  sagt  er,  jedes  Kapital  kann  zur  Erwerbung  von
Grund  und  Boden  verwendet  werden.  Er  war  aber  weniger  streng
Und  verlangte  nur  eine  gesetzliche  Beschränkung.  Hierin  sind  die
uysiokraten  ganz  logisch,  denn  wenn  das,  was  nach  ihnen  ein  rechtmäßiges ­
  Anrecht  auf  Zinsen  begründet,  nicht  eintritt,  d.  h.  wenn  das
-kapital  nicht  in  Grund  und  Boden,  sondern  in  der  Industrie  oder
(e ®  Handel,  die  sie  als  unproduktiv  definieren,  angelegt  wird,  so  ist
® s ,  klar,  daß  die  Zinsen  nur  aus  der  Tasche  des  Schuldners  kommen
°nnen;  und  dann  müssen  die  Physiokraten  diese  Zinsen  ebenso  abehnen,
  wie  sie  die  Steuerleistung  der  industriellen  und  der  Handels-]
 asse  ablehnen,  was  weiter  unten  ausgeführt  werden  wird.
Turgot  ist  der  einzige,  der  offen  die  Freiheit  des  Geldleih-Scschäftes
  zuläßt 1 )  und  der  Grund,  den  er  anfflhrt,  ist  nicht  allein
a s  physiokratische  Argument  von  der  Möglichkeit,  daß  der  Kapitalusitzer
  sein  Geld  in  Grund  und  Boden  anlegen  kann,  sondern  vor
1  en h  daß  er  sich  irgendwelcher  Produktion  zuwenden  kann,  da
upital  die  „unumgänglich  notwendige  Grundlage  jedes  Unternehmens“
k .  )■  Daher  wird  er  sein  Kapital  niemals  jemandem  geben,  der  ihm

wenigstens  den  Gegenwert  dessen  bietet,  was  er  erhalten

nicht
kannte,  wenn  er  es  selbst  in  Industrie  oder  Handel  verwendete,
dieser  ]
als  ob

Beweisführung  scheint  aber  der  Gedanke  zugrunde  zu  liegen,
rn  v  jedes  Unternehmen  an  und  für  sich  produktiv  sei.  Und  in  der
Sc]  ’  ^ ÜRG0T  unterschied  sich  auch  darin  von  der  physiokratischen
'  nie,  daß  er  die  Industrie  und  den  Handel  nicht  als  steril  beachtete.* ­


§  2.  Die  Rolle  des  Staates.
.  Ba  die  Physiokraten  glauben,  daß  es  in  den  menschlichen  Gedaß
 DSC ^ a ^ e n  e * ne  nat ürliche  Ordnung  gibt,  die  von  selbst  wirkt,  und
sch  f 8  fol * lich  deines  geschriebenen  Gesetzes  bedarf,  um  die  Herrüer
 &  v  ^^ eser  Ordnung  festzulegen,  da  sie  glauben,  daß  die  Stimme
ein  ■t' atur  ü em  Menschen  „das,  was  ihm  am  vorteilhaftesten  ist“
gibt  und  daß  daher  jeder  Zwang  unnötig  ist,  der  jemanden  bemen
  soll,  seinen  Vorteil  zu  suchen,  —  so  würde  es  scheinen,  als
Alenj 1  ^  ^  ä er  Verfasser  einer  berühmten  Schrift  Uber  diesen  Gegenstand:
2 )°' r , e  sur  les  prets  d’argent“  (Ausführungen  über  Gelddarlehen)  1769.
üüdnno'  , e O ex i 0 us  sur  la  formation  des  richesses  (Betrachtungen  über  die
e  “ es  Reichtums)  §§  LIX,  LXI,  LXXIV.
            
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