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fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
Aber gerade diese Art und Weise, die Alten in die Schule nehmen
zu wollen, und Prinzipien von neuem zu entdecken, die stets für
völlig ausreichend gegolten hatten, um in Frieden darauf ausruben
zu können, mißfiel ganz gewaltig.
Eine ganze Anzahl dieser Kritiken kann jedoch von vornherein
abgewiesen werden.
Die häufigste und platteste dieser Kritiken behauptet, daß die
Begierden und Bedürfnisse der Menschen der quantitativen Messung
unzugänglich sind, und daß das Vorgehen, sie in mathematische
Gleichungen fassen zu können, mit dem freien Willen unvereinbar sei.
Die mathematische Schule hat aber niemals etwas derartiges be
hauptet. Sie nimmt im Gegenteil an, daß jeder Mensch in aller
Freiheit sein Interesse verfolgt, trahit sua quemque voluptas,
und sie begnügt sich damit, zu untersuchen, wie dieser Mensch es
anstellt, um sich das Maximum der Befriedigung mit den Mitteln,
die er besitzt, und trotz der Hindernisse, die er überwinden muß, zu
beschaffen. Sie sagt keineswegs, daß dieser oder jener Mensch dazu
gezwungen ist, Getreide zu kaufen oder zu verkaufen, sondern daß,
wenn er es tut, ein jeder es mit dem festen Willen tut, das best
mögliche Geschäft dabei zu machen, und daß in diesem Falle die Dinge
sich in der und der Form abwickeln werden, und sie behauptet, daß
die Kombinationen dieser Willensäußerungen der Berechnung zugäng
lich sind. Kann nicht die Bewegung der Billardkugeln berechnet
werden, und in wiefern beeinträchtigt das die Freiheit der Spieler l )?
Ebenso geben die mathematischen Volkswirtschaftler durchaus
nicht vor, unsere Begierden ziffernmäßig auszudrücken. Auch wenn
sie es tun sollten, würde dies durchaus nicht widersinnig sein, da wir
es ja selbst Tag für Tag tun, wenn wir in Mark und Pfennigen den
Preis bestimmen, den wir auf die Erwerbung oder die Hergabe des
begehrten Gegenstandes setzen. Aber die mathematische Ökonomik
verwendet überhaupt keine Zahlen, da sie nur mit algebraischen
Formeln oder geometrischen Figuren, also mit abstrakten Größen,
arbeitet. Eine Gleichung aufstellen, bedeutet einfach, nachweisen,
daß das Problem gelöst werden kann, und wie es zu lösen ist: weiter
gehen diese Volkswirtschaftler nicht. Niemals ist es ihnen in den
Sinn gekommen, den Preis des Getreides oder den irgendeines
Volkswirtschaft, La methode positive en Science economique (Revue de
Metaphysique et de Morale, November 1908) und, vom entgegengesetzten Standpunkte,
eine gute Verteidigung in La methode mathematique en Economie poli-
tique von Bouvxbe.
b Walras sagt sehr richtig: „Niemals haben wir versucht, die Entscheidungen
der menschlichen Freiheit zu berechnen; wir haben nur versucht, ihre Wirkungen
mathematisch darzulegen“ (Elements d’Economie Politique pure, S. 232).