II. Das Heer der Erwerbstätigensch,
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1. Die unterste Proletarierschichl.
a) Neger und Neueinwanderer.
N [Eh kommt es darauf an, sich. den Umfang und die wirt-
1} * |schaftlich-soziale Bedeutung der nicht assimilierten und von
den Amerikanern selbst oft als nichtassimilierungsfähig bezeichneten
Volksschichten klarzumachen. Es handelt sich neben den etwa
11 Millionen Negern um ungefähr 17 Millionen Menschen süd- und
osteuropäischer Abstammung, die in der Hauptsache erst während
der letztvergangenen 30 Jahre einwanderten, also um 28 Millionen
Menschen, die an der sozialen Unterschicht zweifellos einen Haupt-
anteil haben.
Legt man zugrunde, dass der Bruchteil der Erwerbstätigen im
Lande, gemessen an der Gesamtbevölkerung, zwei Fünftel beträgt,
so ergeben sich für diese Unterschicht, bei der der Bruchteil der
Erwerbstätigen sicherlich höher ist als im Bevölkerungsdurch-
schnitt (was wohl bei jeder proletarischen Unterschicht der Fall
ist — man denke ausserdem an Frauen- und Kinderarbeit), viel-
leicht 15 oder mehr Millionen, mindestens aber 13 Millionen Er-
werbstätiger!). Dieser letzteren Ziffer aber entspricht (vgl. Tabelle
S. 108) fast genau die Gesamtzahl der ungelernten Arbeiter in
Industrie, Transport, Handel usw. (5,55 Millionen), der. landwirt-
schaftlichen Lohnarbeiter (5,45 Millionen) und der Bediensteten in
Haus, Hotel, Eisenbahn, Theater usw. (2,40 Millionen).
Natürlich kann und soll diese schematische Gegenüberstellung
nichts weiter sein als ein Hinweis auf die zahlenmässige Bedeutung
der farbigen Rasse und der neuesten, untersten Einwandererschicht
für die wenig qualifizierten Erwerbsarten. Keineswegs soll sie etwa
besagen, dass die genannten Volksschichten und Erwerbsarten
genau oder auch nur annähernd sich decken. Von der Neger-
bevölkerung ist die grössere Hälfte heute noch in der Landwirt-
schaft der Südstaaten, und zwar bei weitem nicht ausschliesslich
tw In Westvirginien sind unter der männlichen, über‘ zehn Jahre alten Bevölkerung an
Erwerbstätigen: bei den Negern 83,8 Prozent, bei den Weissen von amerikanischen Eltern 74 Prozent,
bei den Weissen von gemischten Eltern 72,3 Prozent, bei den Einwanderern 93,4 Prozent.
(Monthly Labor Review des U. S. Dept. of Labor, Aug. 1925.)
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