1. Die Römische Reichspost.
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zu reisen wünschte: dies sei das erstemal, wo er eine Verwendung der Post anders als in
Regierungssachen veranlaßt habe. Natürlich konnten die Kaiser selbst so viel Diplome
erteilen, als ihnen beliebte. Konstantin ruinierte die Post beinahe durch die von ihm
angeordneten kirchlichen Synoden, da er alle dazu reisenden Geistlichen durch sie befördern ließ.
Die Kosten der Verwaltung der Post lasteten ganz und gar auf den Provinzen
und den Kommunen, und der Druck dieser Last war um so härter und schwerer, als
gar keine Entschädigung stattfand. Einzelne Kaiser ließen zwar Erleichterungen ein
treten, — obwohl man nicht recht weiß, von welcher Art diese waren — aber nicht
auf die Dauer, noch von gründlicher Wirkung. Fast wie Ironie klingt es, wenn in einem
kaiserlichen Erlaß die Provinzialen auf den Mist der Zugtiere als eine Entschädigung
angewiesen werden. Die Verwaltung erforderte ein ganzes Leer von Postbeamten,
die subalternen Stellen pflegten mit ausgedienten Soldaten besetzt zu werden. Mit
der Zeit nisteten sich Mißbräuche aller Art ein, Bedrückungen und Erpressungen,
Bestechungen und Llnterschleife, und um diese zu verhindern, wurden außerordentliche
Postinspektoren ernannt. Sie sollten kontrollieren, daß niemand mehr Beförderungs
mittel beanspruche, als er berechtigt sei, oder für längere Zeit, z. B. keinen Wagen
erster Klasse, wenn er nur einen zweiter Klasse fordern dürfe re.; um sie der Gefahr
der Bestechung zu entziehen, gab man ihnen eine eigene Besoldung; aber dieser Zweck
wurde selten erreicht, ja die zur Abhilfe eingesetzten Beamten verbanden sich häufig
mit den Statthaltern und deren Personal, um die Not der unglücklichen Provinzen
noch zu steigern. Es wurde mit Postscheinen ein förmlicher Landet getrieben, Privat
pferde widerrechtlich eingespannt, den Postillonen die Mäntel gewaltsam weggenommen
und dergleichen mehr, so daß selbst in einem kaiserlichen Erlaß erklärt wird: „Die
Provinzen leiden durch die Postverwaltung in hohem Grade, einzelne bereichern sich
auf Kosten der Gesamtheit, verinögendc Leute werden ruiniert, und kaum ist cs noch
möglich, der Labsucht der Beamten zu steuern". Liernach kann man sich nicht wundern,
wenn in den letzten Jahrhunderten des Altertums die Post als eine unerträgliche
Landplage verrufen war. Llnter Justinian existierte sie noch im oströmischen Reiche,
im weströmischen Reiche war sie vermutlich damals schon eingegangen.
Bei der ausschließlichen Bestimmung der Post zu Staatszwecken waren im
Römischen Reiche alle Reisenden, außer den Beamten und wenigen Begünstigten,
genötigt, selbst für ihre Beförderung zu sorgen. An frequenten Straßen muß das
Geschäft der Vetturini sehr blühend gewesen sein, da zu allen Zeiten des römischen
Altertums sehr viel gereist wurde, erwähnt aber wird es äußerst selten. Cäsar, der mit
unglaublicher Schnelligkeit reiste, soll öfters mit einer Mietskutsche hundert römische,
d. h. zwanzig deutsche Meilen an einem Tage zurückgelegt haben, was ohne öfteren
Pfcrdewechsel undenkbar ist. Vornehme und reiche Leute reisten natürlich in der Regel
mit eigenen Wagen und Pferden, und selten ohne ein großes Gefolge. Numidische
Vorreiter eröffneten den Zug. Der herrschaftliche Wagen war oft ein Prachtstück,
mit Verzierungen aus Metall überladen, mit seidenen Vorhängen vor der Sonne
geschützt, von wohlgefütterten Maultieren oder kleinen französischen Ponies gezogen,
die purpurne oder gesückte Decken auf den Rücken und vergoldetes Gebiß im Munde
tnigen. Eine Reihe von Wagen führte die unentbehrliche Dienerschaft und das
unentbehrliche Gepäck nach. In Städten und Flecken durften angesehene Personen
überall auf bereitwillige Aufnahme bei den Lonoratioren des Ortes rechnen; über
raschte sie aber die Nacht auf der Landstraße, so schlugen die Sklaven Zelte auf und
richteten sie wohnlich ein. Die Gasthäuser wurden daher in der Regel nur von den
mittleren und unteren Klassen benutzt; daher scheinen sie sich selten über den Zuschnitt
der Lcrbergen erhoben zu haben, die den Bedürfnissen von herumziehenden Ländlern,
Schiffern, Maultiertteibern und Landleutcn entsprachen, obwohl es auch (namentlich in der
Nähe besuchter Landorte) keinesweges an eleganten und komfortablen Etablissements fehlte.
M s 11 a t, Volkswirtschaftliches Lesebuch. 27