Full text : Neuzeitliche Krüppelfürsorge

ßende übergänge, ja, manchmal ist derselbe Krüppel zu verschiedenen
Zeiten anstaltsbedürftig und ambulant zu versorgen.
Worin bestehen nun die Aufgaben der ambulanten
Krüppelfürsorge ?
_  Hunächst handelt es sich um die Erfassung der Krüppel,
die ja vom Gesetz durch die Meldepflicht sichergestellt sein soll, die aber
manchmal noch sehr viel zu wünschen übrig läßt. Diese möglichst frühzeitige
 Erfassung der Krüppel ist von größter Bedeutung, wenn man
bedenkt, daß bei frühzeitiger Behandlung in über 50 Prozent der Fälle
[chweres Krüppeltum verhütet werden kann. Was dies für die Kosten-Irage
 an sich und für den Erfolg der Krüppelfürsorge bedeutet, braucht
nicht besonders erörtert zu werden.
Die frühzeitige Erfassung berührt sich mit den Ma ß nahmen
zur Verhütung der Verkrüppelung überhaupt. Zwar kann
man hier noch nicht, selbst bei reichlich vorhandenen pekuniären Mitteln
das Krüppeltum ganz ausschalten, wie man ja niemals durch noch so
Iwecktmäßige Maßnahmen eine Krankheit absolut verhindern kann.
Man kann aber sehr viel tun zur Eindämmung z. B. der englischen
Krankheit, der Knochengelenktuberkulose, die einen großen Prozentsatz
der Krüppelleiden darstellen. Wohnungshygiene, Ernährungshygiene,
allgemeine Körperpflege berühren sich hier mit den auch sonst auf dem
hygienischen Gebiete erforderlichen Maßnahmen. Kann man nun aber
auch den Eintritt des Krüppelleidens leider in vielen Fällen nicht verhindern,
 so kann man doch durch frühzeitige Behandlung der Leiden
und ihrer Folgen die schweren Verkrüppelungen verhüten. Ja, in
vielen Fällen (z. B. angeborenem Klumpfuß, angeborener Hüftverrenkung,
 Schiefhals usw.) kann man das Leiden bei Frühbehandlung
 so restlos beseitigen, daß später keinerlei Störung zurückbleibt,
d h. dann ist das Kind im eigentlichen Sinne des Wortes ,ent-Uppelt“.

Leider kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß, wenn
êrüppel nicht vom Landesfürssorgeverband in Anstaltspflege genommen
 werden oder die Eltern selber für Behandlung sorgen können,
mit ihnen so gut wie nichts geschieht. Viele Bezirksfürssorgeverbände
lich kann hier nur von den Verhältnissen in der Provinz Brandenburg
ien, da ich die anderen Provinzen nicht aus eigener Erfahrung
[enne) begnügen sich damit, den Krüppel in den Listen zu führen und
em Landeskrüppelarzt bei der Krüppelschau vorzustellen. Ausnahmen
 gibt es zum Glück auch, und zwar kenne ich eine Reihe von
Stadt- und Landkreisen, die ihre Krüppelfürsorge so gut im Schwunge
haben, daß es eine reine Freude ist, wenn man sie bei der Krüppel-[hau
 besucht. Der Landesfürssorgeverband kann nicht alle Krüppel,
?i denen irgendetwas zu machen ist, in Anstalten stecken; denn so

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