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gelegten Wertverhältnis von 1:15V 2 . Münzen aus Gold und Silber waren
frei ausprägbar und gesetzliches Zahlungsmittel. Als aber der große Sturz
des Silberpreises eintrat, begrenzten 1873 die Staaten des lateinischen
Münzbundes die Privatausprägung von Silber und stellten 1878 die Aus
prägung von Silberkurantgeld gänzlich ein. Die Epoche der Goldwährun
gen, vielfach in Form der „hinkenden Goldwährung" ss. unten), begann. —
Seit dem Abgehen großer Ländergruppen vom Goldstandard (England,
Schweden, Norwegen, USA. usw.) tauchten im Laufe der letzten Jahre
längst überwunden geglaubte bimetallistische Gedankengänge
wieder auf. Das Gutachten des vorbereitenden Ausschusses zur Weltwirt
schaftskonferenz hatte indessen die Frage einer zusätzlichen Verwendung
des Silbers zu Währungszwecken in den Hintergrund gedrängt, bis in
jüngster Zeit die Versuche der Silberinteressenten, den Silberpreis zu
heben, auf diese Möglichkeit zurückgriffen, um durch eine Erweiterung der
monetären Silberverwendung die Silbernachfrage zu vergrößern. Ein
Gesetz vom Juni 1934 verpflichtete das Schatzamt der Vereinigten Staaten
von Amerika, so viel Silber anzukaufen, bis die Silberbestände ein Viertel
des monetären Goldbestandes erreichen. Der Bimetallismus ist dadurch
aber nicht geschaffen, da das für eine Doppelwährung Entscheidende fehlt:
das feste Wertverhältnis zwischen Gold und Silber und die
für die Doppelwährung typische Vertretbarkeit beider Metalle. „Ein
Wertverhältnis von Silber zu Gold etwa im alten Verhältnis von 1:15%,
wie es sich einige Phantasten in den Vereinigten Staaten erträumen, würde
das Silberangebot so steigern, daß jede Stabilisierung des Preises nach
kurzer Zeit über den Haufen geworfen werden müßte" (Adolf Weber).
Von dieser Silberpolitik versprach sich die Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika eine preissteigernde Wirkung im eigenen Lande, weiter
eine Stärkung der Kaufkraft der Silberländer und eine allgemeine Wieder
erhebung des Silbers zum Währungsmetall. Erfüllt hat sich keine dieser
Erwartungen. Im Gegenteil: Die Silberpreissteigeruug brachte ostasia
tische Horte zur Auflösung. Durch spekulative Maßnahmen wurde das
Vertrauen zum Silber erschüttert. Nachdem im November 1935 das
wichtigste Silberland C h i n a die Bindung an das Silber aufgegeben hatte,
schränkten die Vereinigten Staaten ihre Silberkäufe ein.