Full text: Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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bruisk 1 ), Rogatschew, südlich Dowsk (Kreuzungspunkt der Kiew-Peters 
burger Straße), Tscherikow, Roslawl * 2 ) nach Moskau. Ebenfalls von Brest 
zieht eine Straße mit mehreren bis zu 10 m breiten Abzweigungen im 
wolynischen Festungsgebiet über Kowel, Luzk, Klewan, Rowno, Nowo- 
grad Wolynsk, Shitomir nach Kiew. Die beiden letzteren Straßen 
säumen die Poljesje ein. Hiermit sind aber auch die großen Heer 
straßen, die aus dem Westen ins Innere führen, aufgezählt. Die Vernach 
lässigung des russischen Straßenwesens in den meisten Provinzen, die 
infolge des Ausbaues des Bahnnetzes erst recht aufrecht gehalten wurde, 
hat zur Folge, daß nicht nur eine Stadt wie Minsk mit 100 000 Ein 
wohnern, sondern auch das doppelt so große Wilna, die Hauptstadt 
Litauens, nicht von einer einzigen großen Straße im mitteleuropäischen 
Sinne berührt wird. Die russische Straßenbaupolitik hat aber auch 
bewußt das ältere Straßenwesen ignoriert. Die möglichste Konzentrie 
rung in der Richtung auf die Reichszentren, besonders außerhalb Kongreß 
polens, springt hier noch weit mehr in die Augen als auf anderen Ge 
bieten. Minsk war z. B. im alten Polen ein sehr wichtiger Punkt an 
der von der Ostgrenze des Reiches, von Mohilew, führenden großen 
Straße, die sich hier gabelte und nordwestlich über Wilna, Kowno nach 
Kurland, südwestlich über Nowogrodek, Grodno, Bjelsk nach Warschau 
und Breslau führte. Wie hier, hat man auch an anderen Stellen, teilweise 
freilich begreiflich, unter dem russischen Regiment an die alten polni 
schen Reichsstraßen nicht angeknüpft, sondern dem Verkehr im Sinne 
der neuen Herrschaft eine andere Richtung gegeben. Daß seit der 
Okkupation der russischen Westprovinzen die Verwaltungen der Zentral 
mächte auch den Straßenbau nicht vernachlässigen, ersieht man daraus, 
daß nach einem Voranschlag vom November 1915 allein im Gebiet des 
deutschen Generalgouvernements, dem drei Fünftel von Polen unter 
stehen, rund 5440 km Straßen gebaut werden sollen. 
5. Verkehrsgeographie der russischen Eisenbahnen. 
a) Mängel des Systems (Lücken im Balinnetz, Brückenbauten). 
Das russische Bahnnetz hat noch große und empfindliche Lücken. 
Es ist oben öfters auf die Verkehrslosigkeit und die geringe Verkehrs 
dichte ganzer Provinzen hingewiesen worden. Die klaffenden Lücken 
werden offensichtlich, wenn man die Linienführung der Kurswagen, 
also der Wagen, die zwei verschiedene, häufig entfernt gelegene Ziele 
miteinander verbinden, verfolgt. Es ist noch nicht lange her, da konnte 
man von Moskau nach Kiew nur über Kursk (946 W) gelangen. Die 
[ ) Die ehemalige Hauptfestung Bobruisk entsendet einen Strang nach Mohilew 
zur Petersburger Straße. 
2 ) In Roslawl kreuzt sie eine von Witebsk über Smolensk zum Südosten 
ziehende Straße.
	        
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