8*
US
Aber es bleiben einige Unterschiede im Seelenzustand
von Mann und Frau als solche, die angeboren und nicht
künstliche sind, und auch auf psychischem Gebiet ist es genau
so, daß da wo wir uns der Sphäre der sexuellen und Fort
pflanzungstätigkeit und den direkt damit verbundenen Ge
fühlen und Instinkten nähern, die Verschiedenheiten auf-
treten.
In der Tierwelt finden sich alle psychischen Abweichun
gen bald mit der männlichen, bald mit der weiblichen
Geschlechtsform verbunden. Bei Insekten und Fischen, wo
der weibliche Teil gewöhnlich größer und stärker als der
männliche ist, sind die Weibchen gewöhnlich auch kampf
lustiger und räuberischer als die Männchen. Bei den Raub
vögeln, bei denen ebenfalls die Weibchen größer und stär
ker sind, finden sich sehr geringe psychische Unterschiede.
Bei Adlern und ähnlichen streng monogamen Arten ist
die Liebe des Weibchens zum Männchen so groß, daß es
sich angeblich, wenn das Männchen stirbt, nie mit einem
zweiten gattet, und beide wachen über das Junge und sor
gen für dasselbe mit außerordentlicher Vorsicht. Die
Straußenmännchen, obgleich größer als dieWeibchen, teilen
sich mit diesen im Ausbrüten der Eier, indem sie zu be
stimmten Stunden des Tages die Henne ablösen, und die
Sorgfalt für das ausgebrütete Junge ist bei beiden Teilen
gleich groß. Bei den Singvögeln, bei denen die beiden
Geschlechter manchmal ununterscheidbar ähnlich sind
und die ebenfalls monogam leben, beweisen nicht nur
Männchen und Weibchen die gleiche leidenschaftliche
Liebe füreinander (die südafrikanischen Cock-o-veets sin
gen ein Liebeslied, einen Wechselgesang; das Männ
chen singt zwei oder drei Töne und das Weibchen ant
wortet mit zwei oder drei anderen), sondern sie bauen
a uch ihre Nester gemeinsam und ziehen die Jungen mit
gleicher Hingebung auf. Die kleinen am Kap lebenden
Kapokvögel bauen beide zusammen ein schönes, weißes,