31
ä) Das Problem der Arbeitsteilung und Arbeitsvereinigung.
Die Ergiebigkeit oder die Produktivität der Arbeit hängt in hohem
Grade von ihrer Organisation ab, von einer zweckmäßigen Arbeitsteilung
und Arbeitsvereinigung. Unter Arbeitsteilung versteht man die
Zerlegung der Arbeit in eine Reihe möglichst einfacher Operationen, die
von verschiedenen Personen derart ausgeübt werden, daß jeder einen
anderen Teil der Gesamtarbeit verrichtet, unter Arbeitsvereinigung
eine Verbindung mehrerer Personen, zu dem Zweck, die
Arbeitsverrichtungen gleichzeitig oder nacheinander auszuüben. Arbeitsteilung
setzt voraus, daß mehrere Arbeiter sich in die Hände arbeiten.
Arbeitsteilung ist daher ohne Arbeitsvereinigung nicht möglich. Der Gesamtbedarf
an Gütern einer Gemeinschaft oder des einzelnen wird nicht
durch die isolierte Arbeit des einzelnen, sondern durch gemeinsame Tätigkeit
aller gedeckt.
Arbeitsteilung, allerdings noch in beschränktem Maße, finden
wir bereits in den Anfängen der Kultur: Der Mann geht auf die Jagd
und schafft die Nahrung herbei, die Frau bereitet sie zu. Der Mann baut
die Hütte und schützt sie vor feindlichen Angriffen, die Frau hält auf Ordnung
im Hause, gerbt Felle, näht Kleider und hütet die Kinder. So rieten
dem König Froto III. seine Höflinge, er solle sich rasch vermählen,
„damit ihre zerrissene Wäsche bald in Ordnung gebracht werde", und das
Nibelungenlied zeigt uns Chriemhild als geschickte Putzmacherin. Zur
Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau kam später eine Scheidung des
Volks in verschiedene Berufsklassen.
Bahnbrechend für die Lehre von der Arbeitsteilung war Adam
Smith, der in seinem Werk „Natur und Ursachen des Volkswohlstandes"
darauf hingewiesen hat, wie sich durch Arbeitsteilung die Arbeitskraft,
d. h. die Leistungsfähigkeit eines jeden einzelnen in hohem
Maße steigern lasse. So könne z. B. ein G r o b schmied, der nicht auf diese
Arbeit geschult sei, an einem Tage nur 200—300 Nägel anfertigen, während
der mit dieser Tätigkeit vertraute Nagel schmied ohne große Anstrengung
in der gleichen Zeit etwa 2300 bis 3000 schaffe. Ausführlich
behandelt Smith dann die Arbeitsteilung an dem berühmt gewordenen
Beispiel von der Stecknadelfabrikation.
„Der eine zieht den Draht, der andere streckt ihn, der dritte schneidet ihn in
Stücke, der vierte macht die Spitze daran, der fünfte schleift ihn am anderen