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zum anderen aber von dem Wertgehalt. der in ihm und durch ihn ver-
wirklicht wird.
Individuum und Umwelt.
Zum Schluß sei auf den Unterschied von zwei Typen der Ichausweitung hin-
gewiesen. Wir können nämlich unterscheiden zwischen einem erweiterten Ich-
bewußtsein und einem Wir bewußtsein. Der auf den Erfolg seines Sohnes stolze
Vater ist ein Beispiel des ersten Typus, eine Familie, deren Mitglieder etwa bei
der Feier der Verdienste ihrer Vorfahren alle von dem gleichen Stolz beseelt sind.
erläutert den zweiten Typus. Im ersten Fall handelt es sich um einzelne Personen.
im zweiten um eine Gruppe oder mehrere gemeinschaftsverbundene Menschen.
— Diesen beiden Typen er:sirechen zwei Formen des Selbstgefühls. Man mag beide
als kollektives Selbstgefün: 5.,%ichnen. Doch ist in dem einen Fall nur der Inhalt
kollektiver Art, währen 5: Erlebnis auf einen einzelnen beschränkt ist, beim
anderen Typus dagegen füins Selbstgefühl sowohl nach dem Inhalt wie nach der
Form kollektiv.
Literatur: James, Principles of Psychology I, S. 291 fg. — McDou-
gall, The mind of the group. — Gerda Walther, Ein Beitrag zur Ontologie der
sozialen Gemeinschaften in Husserls Jahrbuch für Philosophie, Band 6. — Übeı
ekstatische Wirerlebnisse beim totemistischen Kult Durkheim, les formes €lementaires
de la vie religieuse. S. 300 flg.
13. Die Ausdruckstätigkeit und verwandte Tendenzen.
Inhalt: Die gesellschaftliche Bedeutung der Ausdruckstätigkeit besteht vor
allem darin, daß die in ihr kundgegebenen inneren Zustände ohne jede Reflexion
eine Erfassung innerhalb der Gruppe erfahren und eine passende Reaktion der
Umgebung auf das Verhalten des sich so mitteilenden Einzelnen bewirken. — Eng
verwandt mit dem Ausdrucksverlangen ist der Mitteilungstrieb, d.h. der Trieb, Er-
lebnisse, Eindrücke und Kenntnisse der Umgebung mitzuteilen, und das Bestreben
nach Objektivierung innerer Zustände, d.h. nach einer Bearbeitung oder Umgestal-
tung von Gegenständen im Sinne des jeweiligen inneren Zustandes. Über den
bloßen Mitteilungsvorgang erhebt sich das letztere Verhalten vor allem durch den
Dauercharakter seiner Ausdrucksmittel. — Anderseits besigt der Mensch von Haus
aus einen Trieb, Gegenstände, die ihm irgendwie wertvoll sind, sich anzueignen und
aufzubewahren.
1. Schon bei Tieren finden wir vielfach innere Zustände durch
äußere Vorgänge kundgetan, die keine Zweckbedeutung besigen und in
ihrer Beschaffenheit symptomatisch für den jeweiligen inneren Zustand
sind. Dahin gehört das Heulen und Kreischen vieler Tiere, das Sträuben
der Haare oder Federn im Zustand der Erregung, das Ausstrecken der
Arme beim Affen usw. Beim Menschen tritt uns diese Ausdruckstätig-
keit in gesteigertem Maße entgegen. Dahin gehört die ganze Art der
Stimmtätigkeit, das Spiel der Mienen und Gebärden, endlich auch die
ganze Körperhaltung; bei der legteren ist schon durch das Wort an-
gedeutet, daß es sich bei ihr nicht mehr um eine Tätigkeit, sondern um
einen dauernden Zustand handelt. In diesem Sinne kann man auch den
Ausdruck des Gesichts als Ausdruckshaltung ansprechen. Besonders cha-