Full text: Finanzwissenschaft

Vorrede. DE 
zwar in folgender Weise. Diese Steuern sollen mehr und mehr 
vervollkommnet werden. Sind höhere Einkünfte notwendig, so soll 
möglichst die Einführung neuer, die Steuerpflicht übertreibender 
Steuern vermieden werden und die Einkommen- und Vermögens- 
steuer entwickelt werden. Dann soll sowohl in die Einkommen- 
steuer wie in die Vermögenssteuer ein dynamisches Element ein- 
geführt werden, wie dies sich ja in der Wertzuwachssteuer kund- 
gibt. Doch ist diese Besteuerung noch ziemlich roh, trotzdem es 
keinem Zweifel unterliegen kann, daß gerade die Veränderungen 
im Einkommen und Vermögen, sowohl die nach aufwärts als die 
nach abwärts, sehr stark empfunden werden. Wenn das Einkommen 
steigt, so ist dies nur eine ganz besonders günstige und stark 
empfundene Veränderung, wie es umgekehrt eine besonders un- 
günstige und stark empfundene Veränderung ist, wenn es abnimmt. 
Wenn das Einkommen von 10000 Mark auf 15000 Mark steigt, 
so ist der Betreffende nicht nur in derselben Lage wie der, dessen 
Einkommen 15000 Mark beträgt, sondern in einer viel besseren, 
denn während derjenige, der schon lange 15000 Mark genießt, sich 
an dieses Kinkommen gewöhnt hat, seine Bedürfnisse stationär und 
nicht vermehrbar sind, wird der erstere seine Bedürfnisse erweitern 
können und unmittelbar den Vorteil der verbesserten Lage fühlen. 
Das Umgekehrte ist natürlich der Fall bei Abnahme des Einkommens. 
Und was vom Einkommen gilt, gilt auch vom Vermögen. Darum 
erblicke ich auch darin eine Vervollkommnung der Besteuerung, die 
anzustreben ist, daß dieses dynamische Moment: Einkommen- und 
Vermögensvermehrungen, Einkommen- und Vermögensabnahmen als 
selbständige Momente der Besteuerung in Betracht gezogen werden. 
Alle Staaten haben zur Führung des Krieges kolossale Summen 
aufgebracht, Summen, die an das Phantastische streifen. England, 
dessen Budget infolge der großen Steigerung in den letzten Friedens- 
jahren den Betrag von etwa 120 Millionen Pfund erreichte, veraus- 
gabte bloß auf den Krieg —- wobei also der Bedarf der anderen 
Verwaltungszweige außer acht bleibt — 8300 Millionen Pfund — 
über 200 Milliarden Mark, und diese Summen sind beschafft worden, 
ein Zeichen der Leistungsfähigkeit des Volkes, die jedenfalls im 
Frieden unterschätzt wurde. Freilich ist dabei in Rechnung zu 
ziehen, daß es sich hier um eine außerordentliche finanzielle An- 
strengung handelt, die nur ausnahmsweise zur Geltung kommen 
kann, daß ein Teil der Steuern jedenfalls auf Kosten des National- 
vermögens beschafft wurde. Doch bleibt immerhin die Tatsache, 
daß diese kolossalen Beträge in der Tat herbeigeschafft wurden. 
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