78
*) Ibid. S. 823.
Laad mit einer schwachen kapitalbildenden Fähigkeit braucht
immer den Kapitalzufluß., Um dieses Ziel zu erreichen, muß die
Rentabilität des Kapitals, das in der bearbeitenden und extrahie
renden Industrie investiert ist, ununterbrochen auf einem künstlich
hohen Niveau erhalten bleiben. Daraus das ununterbrochene Wachs
tum der Schutzmauer für die heimische Industrie. Die Zollabgaben
in kapitalarmen Ländern fördern die Entwicklung neuer und schützen
die schon existierenden gutentwickelten Industrien, — häufig mit
Hilfe höherer Zollsätze als diejenigen, die bei der Entstehung
dieser Industriezweige bestanden haben. In den reichen Ländern
hat der Kapitalzufluß in die protektionierten Industriezweige die
Entwicklung der inneren Konkurrenz und die Herabsetzung der
Preise zur Folge, was die hohen Zollsätze überflüssig macht. In
den kapitalarmen Ländern dagegen entwickelt sich die innere
Konkurrenz nur sehr langsam, die Preise bleiben gewöhnlich auf
dem maximalen Niveau, das durch die Zollsätze bestimmt ist, und
der rasche Fortschritt der ausländischen Industrie — bei dem
schwachen Wachstum der vaterländischen — macht einen weiteren
Schutzzoll notwendig.
Vom Standpunkt der ausländischen Konkurrenz ist nicht nur
der Fortschritt der Industrie, sondern auch sein Tempo von großer
Wichtigkeit. Ein Land mit einer geringfügigen kapitalbildenden
Fähigkeit und ungenügendem Zufluß ausländischen Kapitals kann
seine Industrie, trotz des intensiven Zollschutzes, viel langsamer
entwickeln, als es die reichen Nachbarn tun, und wird folglich
immer mehr Zurückbleiben. Gerade diesen Charakter aber trägt
die Entwicklung der Industrie in Rußland. Diese Erscheinung, die
ganz natürlich ist für ein Land, das durch die Steuerschraube er
schöpft ist, erscheint für Professor Soboleff ganz unbegreiflich.
Nachdem er das Wachstum der Zollsätze in Rußland gekennzeichnet
hat, stellt Professor Soboleff die Frage auf: »Was aber ruft die
Hebung der Zollsätze hervor. Es ist doch unmöglich anzunehmen,
daß eine Industrie, geschützt durch hohe Tarife und allerlei Pri
vilegien, Subventionen, staatlichen Aufträgen usw., statt sich zu
vervollkommnen immer mehr zurückgeht im Vergleich mit der
westeuropäischen Konkurrenz. Wäre es denn so, so wäre der
Protektionismus eine Ursache, die den Niedergang der Industrie
herbeiführt 1 ). Die Daten, die wir im zweiten Kapitel angeführt