Strukturwandlungen der Weltwirtschaft
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Epigonen insbesondere, aufgenommen wurde. Die spätere Terminologie
bevorzugte den »Wohlstand«, während das jüngste Zeitalter von »Wohl-
fahrt« spricht, um so zum Ausdruck zu bringen, daß es nicht auf Reichtum
oder Wohlstand an sich, sondern vielmehr auf Ausgleich ankomme. Die
Geschichte der Wohlstandsidee ist zugleich ein wichtiges Kapitel in der
Geschichte der Sozialökonomik und die Geschichte der Wirtschaftspolitik
schlechthin. Je nach der Vorstellung, die man sich von den Ursachen
des Reichtums der Nationen machte, hat sich Raumwirtschaftspolitik in
bezug auf das Verhältnis der verschiedenen Volkswirtschaften zueinander
systaltisch oder diastaltisch ausgewirkt. Dies hier im einzelnen
darzulegen, würde Zeitverschwendung sein. Es darf auch unterstellt
werden, daß sich die Wohlstandsidee im letzten Viertel des 19. Jahr-
hunderts wirtschaftspolitisch in den meisten europäischen Ländern und
in den Vereinigten Staaten in dem Sinne durchgesetzt hat, daß das wahre
Interesse der Volkswirtschaft in ihrer Entwicklung zur höchstmöglichen
Selbstgenügsamkeit erblickt wurde. Die hierauf hinzielende »nationale
Wirtschaftspolitik« hatte schon gegen Ende der Friedenszeit einen gewissen
Höhepunkt erreicht, ist jedoch erst in der Kriegs- und Nachkriegszeit
auf die Spitze getrieben worden. Sie stand und steht, wie wohl in keiner
Zeit vorher, unter dem Zeichen der »Entfaltung aller nationalen Produktiv-
kräfte«. Nicht zuletzt galt und gilt dies für die Förderung der industri-
ellen Entwicklung, in der alle Völker offenbar den Weg zur größten
Glückseligkeit erblicken. Es ist freilich schon hier darauf hinzuweisen,
daß gerade dieses Zielstreben nicht allein aus wirtschaftlicher Erwägung
erwächst, sondern in bestimmtem Sinne mit der Staatsidee verknüpft
ist. Die nationale Wirtschaftspolitik, wie sie heute zumeist begriffen wird,
erinnert an die Wirtschaftsauffassung im Mittelalter: alles, was in der
Stadt hergestellt werden kann, soll darin hergestellt werden. Dieser
Grundsatz enthält heute allerdings einen Widerspruch — der zu-
gleich die Grenzen seiner Auswirkung zeigt —, insofern als
ihm stillschweigend der nicht minder ernst genommene Satz zur Seite
steht: alles, was exportiert werden kann, soll exportiert werden. Es
gehört zum Wesen dieser »nationalen Wirtschaftspolitik«, daß sie Verhinde-
rung der Einfuhr und Förderung der Ausfuhr gleicherweise als lebens-
wichtig für die Nation ansieht und so die Quadratur des Zirkels zu ihrer
Aufgabe gemacht hat.
Die auf den Bedeutungswandel im raumwirtschaftlichen Aufbau
der Welt einwirkende nationale Wirtschaftspolitik hat aber, wie schon
angedeutet, ihre Wurzeln nicht nur in der Wohlstandsidee, sondern wird
in dem Grad ihrer Auswirkung recht eigentlich erst durch andere
sonderraumwirtschaftliche Ideen bestimmt. In denkbarer Kürze soll
dieser Ideen hier Erwähnung geschehen.