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gehen. Wenn beispielsweise die landwirtschaftliche und indu
strielle Produktion rascher steigt als die ländliche und gewerb
liche Bevölkerung, so findet eine Entwicklung der Produktivkräfte
sowohl in der Landwirtschaft, als auch in der Industrie statt.
Selbstverständlich kann bei entgegengesetzten Bedingungen
ein Sinken der Produktivkräfte der Bevölkerung eintreten.
Das Sinken der Produktivkräfte bedeutet eine Verminderung der
Menge der von der gleichen Anzahl Produzenten erzeugten Ge
brauchsgegenstände. So wird beispielsweise ein Land infolge
ungünstiger Naturverhältnisse bei der gleichbleibenden Bevölke
rung weniger landwirtschaftliche Produkte erhalten. Ein Sinken
der Produktivkräfte kann aber auch bei einem Steigen der Ge
samtsumme der Erzeugnisse eintreten, wenn sich die Masse der
Produkte im Verhältnis zur Bevölkerung vermin
dert h a t. So wird man höhere Ernten auch bei einem Sinken
der Produktivkräfte erhalten, wenn mehr Arbeitskräfte, die dazu
verwendet werden, keine entsprechend höhere Pro-
duktenmenge gewinnen.
Da die Arbeitsproduktivität durch den Stand der gesellschaft
lichen Produktionsmittel und die Entwicklung der Produktiv
kräfte in bedeutendem Maße durch die Arbeitsproduktivität be
dingt wird, so hängen auch die gesellschaftlichen Produktivkräfte
von dem Stande der Produktionsmittel ab.
F olglich wird der Stand der Produktiv kräfte
einer Bevölkerung durch die Summe der Pro
dukte bestimmt, die in einem Lande zwecks
weiterer Produktion hergestellt werden, d. h.
die zur produktiven Konsumtion dienen. Die
Entwicklung der Produktivkräfte äußert sich
also in der Zunahme dieser Produkte.
Eine Steigerung der Produktivkräfte kann auch stattfinden,
wenn die Arbeitsproduktivität unverändert bleibt oder gar etwas
sinkt, aber jeder Produzent mehr Arbeit aufwendet. So, wenn
die Leibeignen gezwungen werden, mehr Produkte an ihren
Herrn abzugeben, und folglich auch mehr produzieren, um exi
stieren zu können, wobei ihre Arbeitsproduktivität sich gleich