werke. Diese verdienen 30, 40 und mehr Prozent über den Durch-
schnittslohn der Ungelernten im Lande. Der Durchschnittslohn der
Ungelernten ist in der Metallindustrie des Landes 49 Cent pro
Stunde, im Gesamtdurchschnitt von 23 Industrien — nach sicher-
lich nicht zu tief gegriffenen Angaben der Unternehmervereinigung
des National Industrial Conference Board — 46,9 Cent, bei Ford
dagegen ist der Mindestlohn 62,5 Cent. Einen Lohn von dieser
Höhe erhalten sonst nur noch die Bauhilfsarbeiter der Tarifunter-
nehmungen (San Francisco: 62,5; New York 100 Cent).
Der letzte Werkstattkehrer der Fordwerke verdient in acht-
stündiger Tagesarbeit 5 Dollar (die städtischen Strassenkehrer in
Detroit nur 3,50 Dollar), die Leute am „laufenden Bande“ erhalten
üblicherweise nach 2 Monaten der Betätigung im Betriebe bereits
6 Dollar Tagelohn. Diese Lohnzahlung wird Henry Ford einmal
dadurch ermöglicht, dass er in genialer Weise sich seine Rohsto{ff-
versorgung aus eigenen Wäldern, Bergwerken und Plantagen ge-
sichert hat und deren Verarbeitung bis zum fertigen Motorwagen
selbst betreibt, und sich ausserdem von der Abhängigkeit vom
Bankkapitalismus fast völlig freihält, wodurch er viel Händler- und
Spekulantentribut vermeidet, den er als Gewinn der eigenen Unter-
nehmung buchen kann.
Der entscheidende Umstand aber ist der, dass die ungelernten
Arbeiter im Betriebe von Ford eine weit grössere Produktivität ent-
falten als in irgendeinem der Konkurrenzbetriebe. Sie leisten, was
uns mehrfach versichert wurde, bis zu 40 Prozent mehr als in
anderen Werken. Die Mehrzahl von ihnen ist am „Conveyor“, am
laufenden Bande, beschäftigt, und diese Arbeiter können, wenn sie
erst imstande sind, die Arbeit am Bande in Tempo und Ausführung
korrekt zu verrichten, nicht mehr als völlig Ungelernte bezeichnet
werden. Sie sind einexerziert und haben den Rhythmus ihrer
Arbeitsbewegungen in Mark und Knochen, wie der preussische
Musketier das Laden und Sichern. Ist auch die Arbeitsmühe im
allgemeinen nicht härter als anderswo, so ist doch die Methode
eine andere und der volle Effekt erst einige Monate nach der Ein-
stellung des Arbeiters zu erzielen. Daher bedeutet jeder Personen-
wechsel einen Ertragsverlust, und so heisst es Abwanderungen
nach Möglichkeit verhüten, wozu in erster Linie eine Lohnzahlung
nötig ist, die einigermassen der höheren Leistung gegenüber
anderen Betrieben entspricht. Der Massstab aber ist der gewerk-
schaftlich beeinflusste Lohn des industriellen Ostens der Vereinigten
Staaten. Der Lohn in den Fordwerken muss soviel höher sein, um
das. Verbleiben im Betriebe noch wünschenswert erscheinen zu
lassen. Er entspricht, wie wir sahen, beim Conveyorarbeiter der
Fordwerke etwa einem tiefgegriffenen Durchschnittslohn der
höchstbezahlten Hilfsarbeiter, nämlich des Baugewerbes.‘ (Die
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